Isaac del toro zerreißt tirreno-feld und steht kurz vor dem gesamtsieg
Seine Attacke kam spät, aber sie war tödlich. Auf den letzten 200 Metern des 17-prozentigen Ramponi-Anstiegs zog Isaac del Toro die Klinge und schmetterte sich mit drei Sekunden Vorsprung auf die oberste Stufe. Mexikos 22-jähriger Shooting-Star hat Tirreno-Adriatico vor Augen – und die Konkurrenz hat kaum noch Munition.
Ein sprint, der alles entschied
Die Königsetappe von San Severino Marche nach Camerino war 188 km lang, aber die Entscheidung fiel auf einer Handviel Asphalt. Del Toro ließ Giulio Pellizzari und Matteo Jorgenson zunächst zündeln, parierte jeden Stich, schob dann selbst den Zündschlüssel um. Tobias Johannessen kam als Zweiter durch, Pellizzari als Vierter mit neun Sekunden Abstand. Die Uhr zeigte 4:46:50 Stunden – und plötzlich 42 Sekunden Vorsprung für das Blaue Trikot.
Die Rechnung ist brutal: Ein Tag noch, 142 flache Kilometer von Civitanova nach San Benedetto. Sprinter-Finale, keine Berge, keine Fallen. Für Pellizzari und Jorgenson heißt das: Sie dürfen kämpfen, aber sie können nicht mehr gewinnen.

Georg zimmermann bleibt bester deutscher – im rückstand
Lotto-Domestik Georg Zimmermann bügelte als 38. mit 27:37 Minuten Rückstand die deutsche Fahne, doch das reicht nur zur Statistik. Hannes Wilksch (Tudor) und John Degenkolb (Picnic-PostNL) folgen ab Platz 108, Max Walscheid rollte schon als 151. durch – drei deutsche Namen, keine deutsche Story.
Die Story heißt Isaac del Toro. Nach seinem UAE-Tour-Coup im Februar jagt er den zweiten Rundfahrt-Coup innerhalb von sechs Wochen. Team UAE kann die Champagner-Kisten kühlen, Pellizzari darf die Heimfahrt nach Camerino mit gebrochenem Herzen antreten. Sonntag, 15.30 Uhr – dann wird in San Benedetto nur noch der Sprinterkönig gekürt. Das Gesamtklassement ist gelaufen. Mexiko bekommt ein neues Rad-Idol – und der Rest des Feldes muss sich fragen, wie viele Sekunden man in einer Saison eigentlich noch gutmachen kann.
