Eisbären berlin: zwei spiele entscheiden über traumticket oder extrarunde
Zwei Partien, achtzig Minuten Eiszeit, eine Saison auf dem Prüfstand. Die Eisbären Berlin stehen vor dem Endspurt, der über direktes Viertelfinale oder nervöse Extrarunde entscheidet – und selbst die eigene Historie liefert kein Ruhekissen.
Der sechste platz ist kein polster, sondern ein kartenhaus
Mit 79 Punkten führen die Berliner die Fischtown Pinguins um zwei Zähler an, doch Bremerhaven trifft auf den Absteiger Dresden und auf Nürnberg, das seit Wochen ohne Playoff-Druck spielt. Die Eisbären dagegen empfangen am Freitag die Adler Mannheim (Tabellendritter) und am Sonntag den EHC Red Bull München (Vierter). Verlustpunkte dürften das Kartenhaus sofort einstürzen lassen.
Trainer Serge Aubin mag die Rechnung nicht hören: „Wir brauchen keine Wolfsburger Wunder, wir brauchen zwei Siege.“ Die Worte klingen hart, weil sie wahr sind. Seit 2002 hat kein Berliner Team eine Play-off-Serie gegen Mannheim verloren – doch die Statistik nützt nichts, wenn am Freitag das erste Bully verloren geht.

Formhoch, aber mit gesundem misstrauen
Drei Erfolge in Folge stimmen selbst kritische Analysten milde, doch die 1:0-Sensation gegen Köln verbirgt, dass die Torchancen 27:42 lauteten. Auf Dauer gewinnt kein Team mit solchem Schussverhältnis. Verletzungsliste: Defender Zach Redmond fällt weiter aus, Center Manuel Wiederer laboriert an der Schulter. Die Depth-Chart wirkt bereits jetzt wie ein Kartenhaus im Wind.
Die Gefahr steckt im Detail: Gegen Bremerhaven kassierten die Eisbären vor zwei Wochen eine 1:4-Packung, weil die Box-Play-Formation zwei Unterzahltore in 63 Sekunden schluckte. Genau diese Phase könnte in der Extrarunde das Aus bedeuten – schließlich warten in der 1. Runde vermutlich die Ice Tigers, die mit Brandon Pirri und Zach Boychuk zwei Power-Play-Kanoniere besitzen.

Der terminkalender ist kein freund berlins
Sollte die Extrarunde Realität werden, stehen 17. und 18. März als Spiel eins und zwei auf dem Plan – 48 Stunden nach dem letzten Hauptrundenspiel. Das Viertelfinale beginnt nur fünf Tage später. Die Führung um Manager Peter Lee hat bereits Ersatzspieler aus der Nachwuchsakademie einbestellt, um Rotation zu ermöglichen. Die Frage ist weniger „Ob?“, sondern „Wie lange noch halten die Beine?“.
Die Zahl, die nervt: In den letzten zehn DEL-Saisonen schafften nur zwei Teams nach Rang sieben im Hauptrunde den Sprung ins Finale. Die Wahrscheinlichkeit steigt also mit jedem Punkt, der jetzt noch herausspringt.
Am Sonntag um 16 Uhr könnte die Wellblechpalast-Arena entweder in Jubel ausbrechen – oder in kollektives Herzrasen. Die Eisbären haben es selbst in der Hand, doch die Hand schlägt bereits leicht zitternd auf das Eis.
