Eintracht-frauen scheitern mit 0:1 in wolfsburg - pokal-traum platzt durch harmloses sturm-spiel

Die Nacht endet mit Tränen, nicht mit dem erhofften Halbfinale. Eintracht Frankfurts Frauen verpassen durch ein abgefälschtes Tor von Svenja Huth (35.) den Pokal-Coup, während der VfL Wolfsburg trotz schwacher Leistung weiterzieht. Die Frankfurter dominierten 70 Minuten, trafen aber nur das Aluminium - und das reicht nicht gegen den Titelverteidiger.

Die brutal einfache fußball-mathematik: 17:4 torschüsse, 0:1 endergebnis

Géraldine Reutler stand mit hängenden Schultern im Mixed-Zone-Gewirr der AOK-Stadion-Katakomben. „Wir waren mindestens auf Augenhöhe, teils besser“, sagte die Schweizerin, aber ihre Stimme überschlug sich beim Wort besser. Denn besser reicht eben nicht, wenn die letzte Konsequenz fehlt. Laura Freigang köpft gegen die Latte (22.), Barbara Bremer jagt den Nachschuss über den Kasten, Nicole Anyomi lässt Merle Frohms mit einem Lupfer nur noch staunen - aber der Ball landet auf dem Netz statt im Netz.

Die Statistik neben dem Spielfeld lügt nicht: 63 Prozent Ballbesitzphase Frankfurt, 17 Torschüsse gegen vier, fünf Großchancen. Doch die einzige, die zählt, ist Huths Keeper-Lupfer, der sich an Sara Doorsoun unhaltbar verändert. „Wahnsinnig stolz, aber traurig“, sagt Doorsoun später. Stolz, weil die Eintracht Wolfsburg in dessen eigener Hälfte einschnürte. Traurig, weil Pokal-Abende so enden, wie sie enden: mit dem, was hinten rauskommt, nicht mit dem, was vorne reingeht.

Niko arnautis sieht das problem, das schon die ganze saison nagt

Niko arnautis sieht das problem, das schon die ganze saison nagt

Trainer Niko Arnautis redet nicht drum herum. „Wir haben es nicht verdient zu gewinnen, weil wir die Dinger nicht machen“, sagt er und meint: Diese Szene im Sechzehner, wo drei Weiß-rote Trikots zögern, statt einfach mal abzuziehen. 14 Tore in 13 Rückrunden-Spielen - für einen Champions-League-Anwärter zu wenig. Die Lösung? „Wir müssen wieder lernen, dass ein Abschluss auch mal Hintern bedeutet“, sagt Marthine Østenstad. Die Norwegerin kennt das aus der Frauen-Bundesliga: Wer nicht trifft, trifft eben ins Halbfinale - nur eben nicht das eigene.

Die nächste Woche wird zur Geduldsprobe. Samstag in Bremen wartet Werder, das nur vier Punkte Rückstand auf Platz drei hat. Dann Häcken im Europapokal, wo Frankfurt als letzte deutsche Mannschaft noch Titelchancen hat. Arnautis versucht, die Stimmung zu drehen: „Wir haben zwei Wettbewerbe, in denen wir Geschichte schreiben können.“ Aber die Geschichte vom Pokal-Wolfsburg nimmt ihm niemand mehr. Die ist jetzt nur noch ein 1:0 in der Liste der verpassten Chancen.

Um 23:17 Uhr verlässt die letzte Spielerin das Stadion. Die Busfahrt nach Hause dauert vier Stunden, genug Zeit, um das eine Tor immer wieder vor Augen zu haben. Und sich zu fragen: War es das schon mit dem Pokal-Traum 2026? Die Antwort steht fest: Ja. Weil Tore nun mal zählen, nicht Spielanlagen.