Ein surrealer wm-trip: julio alberto erinnert sich an das chaos in mexiko 1986

Vor vier Jahrzehnten reiste die spanische Nationalmannschaft nach Mexiko – und landete in einem Chaos, das bis heute für ungläubiges Kopfschütteln sorgt. Julio Alberto, damals einer von 22 Spielern im Kader von Miguel Muñoz, blickt zurück auf eine Reise, die von Insekten, verpassten Trainings, politischen Diskussionen und einem überraschenden Auftritt von Rocío Jurado geprägt war.

Die ankunft: ein hotel voller kakerlaken

Die Geschichte beginnt schon beim Anflug auf Mexiko. Die Trainingskleidung war nicht angekommen, der Gouverneur von Tlaxcala empfing die Mannschaft persönlich, und ein Notfallplan musste herbeigerufen werden, um zumindest provisorisch mit Trikots auszustatten. Doch das war erst der Anfang. Das erste Hotel entpuppte sich als unbewohnbar: “Me acuerdo que el primer día que llegamos, nos metieron en un hotel que a las dos horas abandonamos porque estaba lleno de cucarachas, de insectos…”, erinnert sich Julio Alberto. Nach einem nächtlichen Umzug konnte man zumindest das nächste Problem aus dem Weg räumen.

Die amöben-attacke und die verständigungsprobleme

Die amöben-attacke und die verständigungsprobleme

Neben den logistischen Herausforderungen plagten die Spieler gesundheitliche Probleme. Eine unbekannte Krankheit, die sogenannte Amöbe, raffte einige Akteure heim. “Nos dieron una tarde libre, salimos a dar una vuelta y algunos jugadores cogieron un virus: Urruti, Calderé…”, berichtet Julio Alberto, der dabei auch auf die schwierige Situation von Menschen in ärmeren Regionen der Welt aufmerksam macht. Die Kommunikation mit der Heimat war ebenfalls eine Geduldsprobe: “Había que llamar desde las cabinas de teléfono de los hoteles y pedir hora para llamar porque había cola.”

Politik, partys und eine unerwartete begegnung

Politik, partys und eine unerwartete begegnung

Die politischen Diskussionen blieben auch vor den Fußballern nicht aus. “Entre nosotros hablábamos mucho de las elecciones”, so Julio Alberto. Und dann war da noch die legendäre Party mit Rocío Jurado, bei der auch der damalige Delegierte des Real Madrid, Gordillo, mit der Sängerin leidenschaftlich tanzte. Ein unvergesslicher Moment, festgehalten in einem Foto, auf dem Chendo Jurado küsst und Julio Alberto darüber lacht.

Die flucht in der ambulanz und das duell mit maradona

Die flucht in der ambulanz und das duell mit maradona

Ein weiteres Kapitel in diesem surrealen WM-Trip war die geheime Flucht aus der Mannschaftsquartiere in einer Ambulanz, organisiert durch einen Deal mit dem Fahrer. Und auch Maradona spielte eine Rolle in dieser Geschichte: “Hablé con Maradona dos días antes y decía: “Que pase Bélgica, que no paséis vosotros”.”, gesteht Julio Alberto. Spanien scheiterte letztendlich im Viertelfinale an Belgien, doch die Erinnerungen an dieses chaotische Abenteuer bleiben unvergesslich.

Ein vermächtnis der menschlichkeit

Ein vermächtnis der menschlichkeit

Die Geschichte von Julio Alberto und der spanischen Nationalmannschaft in Mexiko 1986 ist mehr als nur eine Anekdote über ein verpatztes Fußballturnier. Es ist eine Erinnerung an die Herausforderungen, die Spieler früher unterzogen wurden, an die Menschlichkeit, die auch in schwierigen Situationen bestand, und an die unvergesslichen Momente, die den Sport so besonders machen. Die FIFA-Strafe für Calderés Dopingfall, die er ablehnte zu zahlen, unterstreicht seine Haltung und seinen Stolz.