Ein einziger stimmchen reicht: ospelt erobert die fis

Ein einziger Stimmzettel hat gereicht, um Johan Eliasch zu Fall zu bringen. Alexander Ospelt, 58, Liechtensteiner Anwalt und ehemaliger Skilehrer, wird neuer Chef des Weltkischuhs – und tritt damit eine Mammutaufgabe an.

Nur ein vorsprung, aber ein rieseneffekt

Die Delegierten tagten bis zur letzten Stimme. Als das Ergebnis fiel, schwieg erst das Publikum, dann brandete Applaus auf. Ospelt hatte 50 Prozent plus eine Stimme erhalten – so knapp, wie selten ein Sportpräsident gewählt wurde. Doch die Zahl täuscht: In Wahrheit ist der Machtwechsel längst überfällig. Die FIS schrumpfte unter Eliasch von 130 auf 43 Millionen Franken, Sponsoren zogen sich zurück, Athleten rebellierten.

Ospelt selbst spricht das offen an: „Wir müssen unsere Situation deutlich verbessern.“ Kein Schönreden, sondern knallhartes Faktum – genau das haben die Verbände vermisst.

Der menschenfänger aus vaduz

Der menschenfänger aus vaduz

Der neue Mann kommt ohne Olympiamedaillen, aber mit juristischer Schlagkraft und einem Hang zum Smalltalk. Stefan Schwarzbach vom Deutschen Skiverband nennt ihn „Menschenfänger mit Herz am rechten Fleck“. AJ Ginnis, Athletensprecher der FIS, bestätigt: „Er hört zu, statt zu belehren.“

Das rettet Ospelt nicht vor einem Haushaltsloch, das sich über Jahre auftat. Doch die Strategie steht: kürzere TV-Formate, mehr Sichtbarkeit für Stars, neue Geldgeber. „Die Leute wollen Stars sehen“, sagt Ospelt und meint damit nicht nur die Podestplätze, sondern die Geschichten dahinter.

Die ersten 100 tage entscheiden alles

Die ersten 100 tage entscheiden alles

Bis Jahresende muss die FIS eine neue Finanzspritze präsentieren, sonst droht der nächste Streik der Athleten. Ospelt hat 81 Sekunden lang vor laufender Kamera versprochen, „Freude zu verbreiten“. Die nächsten 8,6 Millionen Sekunden bis zum Weltcup-Auftakt werden zeigen, ob das reicht.