Dtb-pokal in stuttgart: dirndl-luft, aber noch keine medaillen-garantie
Stuttgart – drei Tage, vier Zuschauerkurven, zehn Gerätefinale. Am Ende stehen zwei deutsche Podestplätze und ein Sieg im Mixed-Bewerb. Für Timo Eder war das ein kleines persönliches Finale: Der Hallenser landete am Boden vor allen anderen. Janoah Müller, 18, schwang sich am Balken auf Rang zwei. Die Konkurrenz? Weggeputzt. Die Bilanz? Ein halbes Grinsen, mehr nicht.
Warum nur halb? Weil hinter den Kulissen jeder im DTB-Lager weiß: Die internationale Spitze ist bereits ein paar Riesenwürfe enteilt. „Wir sehen, wo wir stehen – und was auf uns zukommt“, sagt Präsident Alfons Hölzl. Kein Pathos, nur nüchterne Arbeitsliste.
Die stimmung ist gut, die form noch eine baustelle
Am Samstagabend, nach dem 3:2 gegen die Schweiz, schwappt Jubel durch die Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Karina Schönmaier tanzt mit dem Publikum, verzichtet aber bewusst auf Einzelstarts. „Top-Wettkämpfe erfordern Top-Last“, erklärt die Sprung-Europameisterin. Ihr Blick richtet sich bereits auf Zagreb (August) und Rotterdam (Oktober). Dort wird Edelmetall nur gegen Großrechner wie Hashimoto, Dolgopyat oder Andrade zu holen sein.
Barren-Europameister Nils Dunkel spürt das an jedem Griff. Zwei ausgekugelte Finger behindern ihn an seinem Paradegerät. „Ein Stolperstart, keine Frage“, sagt er und schaut auf die blauen Flecken. Dennoch: Der Teamsieg wäre ohne seine Routine nicht möglich gewesen. Das macht stolz, aber nicht satt.

Deutsche turner suchen die killer-instinkt-frage
Die Statistik nagt: zwei Finalplätze aus zehn Entscheidungen. Das ist kein Ausrutscher, das ist ein Indikator. Die Routine fehlt, die Konstanz ebenso. Timo Eder bringt es auf den Punkt: „Wir können jubeln, aber wir müssen üben, bis die Calluses bluten.“
Die Athleten reden nicht vom nächsten Gold, sie reden von Basics: Landungen, Handstandhaltungen, Startwert-Optimierung. Denn wer in Stuttgart schon ins Grübeln kommt, wird in Rotterdam regelrecht in die Mangel genommen. Die Japaner, Briten und Chinesen schrauben derzeit an Übungsschwierigkeiten, die 0,4 bis 0,6 Punkte Vorsprung bedeuten. Ein Abgrund im Zehntelbereich.
Also heißt es: Trainingslager in Kienbaum, Lehrgänge in Stuttgart, Mental-Coaching in Frankfurt. DTB-Direktorin Dorothee Knörr hat die Kurskorrektur bereits eingeleitet. Neue Struktur, neue Wettkampfrhythmik, neue Aufgabenverteilung an den Geräten. „Wir wollen 2027 in Paris nicht zuschauen, wir wollen mitmischen“, sagt sie. Kein Slogan, sondern ein Plan mit Excel-Tabellen.
Die Fans in der Arena spüren das. Sie feuerten jeden deutschen Nachwuchsathleten mit „Hier kommt Deutschland“-Gesängen an. Die Akteure winken, verbeugen sich, wissen aber: Applaus verpufft, wenn die Schwierigkeit nicht steigt. Die nächsten Monate entscheiden, ob der DTB-Pokal als Startschuss oder als Warnschuss in die Geschichtsbücher wandert.
Für Timo Eder, Janoah Müller und Co. heißt es nach dem letzten Gruppenfoto: ab in die Halle, runter von der PR-Bühne. Wer in Zagreb und Rotterdam mitreden will, muss jetzt Überstunden auf der Matte schreiben. Die Konkurrenz macht keine Gnadenpause. Und die Uhr tickt – laut.
