Dsv-mixedstaffel patzt in otepää: schweden siegt, zwei außenseiter jubeln
Die deutsche Mixed-Staffel lieferte im estnischen Otepää ein Schieß-Spektakel ab, das kein einziges Mal mit Siegparfüm belohnt wurde. Vier Strafrunden und 18 Nachlader zerstörten alle Podestträume, am Ende reichte es nur zu Platz fünf – 1:11,7 Minuten hinter dem souveränen Sieger Schweden.
Doch die große Geschichte des Tages war nicht das deutsche Fehler-Karussell, sondern zwei Underdogs, die sich in die Herzen der Zuschauer schossen: Die Schweiz landete sensationell auf Rang zwei, die USA sicherten sich das Bronzepodest. Ein Resultat, das vor Jahresfrist noch für Lacher auf der Tribüne gesorgt hätte.
Startläufer nawrath rettet das gesicht – fast
Philipp Nawrath ging als Erster auf die Strecke und legte eine Lauf-Leistung hin, die Saison-End-Form vermuten lässt. Beim Liegendanschlag saß die Nervosität zwischen den Schulterblättern: vier Treffer, dann vier Patronen für die letzte Scheibe – alles oder nichts. Beim Stehendschießen zitterte er sich ins Schwarze, vermied die Strafrunde und schickte Philipp Horn mit acht Sekunden Rückstand auf die Piste.
Horn musste drei Mal „kreiseln“ – ein Wort, das in der deutschen Biathlon-Sprache für „Hoffnung begraben“ steht. Er fiel vom ersten auf den 17. Platz zurück und bescherte Selina Grotian eine Hypothek von 2:24 Minuten. „Ich ärgere mich, drei Strafrunden sind kein Kavaliersdelikt“, sagte er nach dem Rennen mit zusammengebissenen Kiefern.

Grotian und thannheimer wühlen sich zurück – vergeblich
Selina Grotian, zuletzt in den Einzelrennen abgestürzt, nutzte den Tag zur Selbsttherapie. Mit nur zwei Nachladern schob sie die DSV-Staffel wieder in die Top Ten. „Ich hab mehr gezittert als sonst, aber das gibt mir Schwung für Oslo“, sagte sie mit einem Lächeln, das fast so breit war wie der Rückstand aufs Podest.
Julia Thannheimer riskierte beim letzten Schießen alles – und verlor. Eine Strafrunde zerstichte den letzten Funken Medaillen-Hoffnung. Am Ende lief sie als Fünfte durchs Ziel, was zumindest reichte, um den Vorsprung in der Nationenwertung auf 189 Punkte vor Finnland auszubauen. Kleiner Trost: Nur die besten fünf Nationen dürfen nächste Saison mit sechs Athleten starten. Deutschland ist auf Kurs.
Die großen Gewinner des Tages heißen Schweden, Schweiz und USA. Die Schweden feierten ihren zweiten Mixed-Sieg der Saison, die Schweiz bewies, dass man mit kühlem Kopf auch ohne Strafrunden jubeln kann. Und die USA? Die lieferten den Beweis, dass man mit Margie Freed auch dann aufs Podest kommt, wenn die Nerven kurz vor dem letzten Schuss flattern.
