Dsv schickt olympia-sohn und zwei rookies nach oslo – jetzt zählt nur noch der sieg
Der Biathlon-Weltcup schreibt seine letzte Kapitel, und das DSV-Aufgebot für Oslo liest sich wie ein Kompromiss zwischen Not und Zukunft. Elias Seidl, Sohn der Olympia-Siegerin Martina Zellner, darf in Oslo seine zweite Weltcup-Chance nutzen. Neben ihm steigen Franz Schaser und Simon Kaiser ins Mannschaftsboot – drei Wechsel, drei Lebensläufe, ein gemeinsamer Druck: endlich gewinnen.
Mutter zellner holte gold, sohn seidl will nachlegen
Seidl war in Lake Placid der Mann des Tages – 15 km, verkürzt, trotzdem ein Erfolg, der sich sehen lassen kann. Rang zehn im IBU-Cup bedeutet: er ist der drittbeste Deutsche, hinter Rees und Pfund, aber vor etlichen Routiniers. Für den 21-Jährigen ist Oslo kein Sightseeing-Trip, sondern ein Vorbild für das Sommertraining. „Er soll das Feeling mitnehmen“, sagt Sportdirektor Felix Bitterling – ein Satz, der klingt, als wäre die Saison längst verloren.
Die Damen starten mit demselben Sextett wie in Otepää: Fichtner, Grotian, Hettich-Walz, Kink, Tannheimer, Voigt. Stabilität als Taktik, weil Umbruch keine Zeit lässt. Die Nationenwertung ist gerettet, Platz fünf sicher, sechs Startplätze auch nächsten Winter garantiert. Ein Trostpflaster, das kaum jemand feiern wird.

63 Rennen, null siege – die statistik schreit
Die Saison 2025/26 droht als erste seit Jahrzehnten ohne deutschen Einzelsieg zu enden. 63 Weltcup-Wettkämpfe, keine deutsche Fahne ganz oben. Philipp Nawraths Platz drei im Sprint von Otepää bleibt die beste deutsche Platzierung – ein Ergebnis, das früher als Pflicht galt, heute als Glanzstück verkauft wird. Oslo bietet noch sechs Starts, um das Blatt zu wenden. Die Chancen sind real, die Nerven blank.
Simon Kaiser ersetzt David Zobel, der mit Rang 35 seine persönliche Bestleistung markierte und trotzdem daheim bleibt. Kaiser ist 26, kein Frühling mehr, aber auch kein Veteran. Seine Nominierung ist ein Signal: Leistung zählt, nicht das Alter. Franz Schaser, 23, fuhr zweimal IBU-Cup-Podest – jetzt soll er zeigen, dass er das große Podest nicht nur kennt, sondern erklimmen kann.
Für das deutsche Biathlon-Jahr 2026 bleibt nur noch eine Frage offen: reicht die Restluft in Oslo, um das drohende historische Negativrekord zu verhindern? Die Antwort fällt zwischen Donnerstag und Sonntag – und sie wird lauter sein als jede Statistik.
