Dortmund will vorsaison-rekord einbüßen und augsburg den rhythmus nehmen
Heute um 15:30 Uhr treibt der BVB im Signal Iduna Park Jagd auf die eigene Bestmarke von 2023/24 – und auf den nächsten Heimsieg gegen einen FC Augsburg, der unter Manuel Baum plötzlich zur Rückrunden-Entdeckung mutierte.
Die Rechnung ist denkbar simpel: Gewinnt Borussia Dortmund, springt die Punktzahl auf 58 und übertrifft damit die 57 Zähler der kompletten Vorsaison schon am 26. Spieltag. Ein Gedanke, der selbst im sonst so nüchternen Niko Kovac laut Sky-Mikrofon ein „kleines Lächeln“ provozierte – schließlich wäre es die beste Ausbeute seit der 2018/19er-Kampagne.
Schlotterbecks familienkrimi und die ecke als waffe
Die Bruder-Fehde hat Tradition. Beim letzten Aufeinandertreffen im Oktober jubelte Keven Schlotterbeck mit Augsburg nach dem 2:1 – und ließ seinen Bruder Nico vor 80.000 Zuschauern stehen. Nico will Revanche, Keven den Doppelpack. Die Statistik gibt Nico recht: Er gewinnt 62 % seiner Zweikämpfe, Keven „nur“ 63 % – auf dem Papier ein Unentschieden, auf dem Rasen ein offener Krieg.
Dortmunds größte Waffe ist indes nicht ein Schlotterbeck, sondern die Ecke. Zwölf Eckballtore erzielte der BVB in dieser Saison – Liga-Bestwert. Seit Jahresbeginn traf das Team achtmal nach Standards, nur Inter Mailand teilt sich diesen Wert europaweit. Der Plan: Früh drücken, Augsburg in die Breite treiben, Ecke herbeifischen, einnicken.

Augsburgs achillesferse heißt auswärts-defensive
Der FC Augsburg sammelte in der Rückrunde bereits 16 Punkte – so viel wie nie zuvor nach den ersten acht Spieltagen einer zweiten Halbserie. Doch das Prunkstück hat einen Sprung: In jedem der letzten zwölf Auswärtsspiele kassierte der FCA mindestens ein Tor. Hinzu kommt: In zwei Drittel dieser Partien gab es einen Strafstoß gegen Augsburg – ein gefundenes Fressen für Serhou Guirassy, der bereits sechsmal das frühe 1:0 markierte und in 36 % seiner Einsätze traf.
Manuel Baum versuchte die Statistik herunterzuspielen: „Wir haben gelernt, früher in die Zweikämpfe zu gehen.“ Doch die Zahlen lügen nicht: Wer vor dem eigenen Sechzehner zu spät reagiert, bekommt bei Dortmund die Quittung – und das meist schon vor dem Seitenwechsel. In den letzten acht BVB-Partien fiel stets ein Tor vor der Pause.

Brandt vor jubiläum, beier vor bestmarke
Julian Brandt bestreitet heute möglicherweise sein 299. Pflichtspiel für den BVB. Beim FC Augsburg brilliert Maximilian Beier mit zwölf Scorerpunkten – nur Alexis Claude-Maurice ist in den letzten acht Spielen mit acht direkten Beteiligungen noch ein Tick effektiver. Beide Akteure dürften die Räume bekommen, die Dortmunds hohe Linie bietet. Die Frage ist nur, wer sie nutzt.
Sky überträgt live, DAZN liefert die Konferenz, Sport1 bietet den Liveticker. Wer verpasst, verpasst nicht nur Tore, sondern möglicherweise auch den Moment, in dem Dortmund die eigene Vorsaison-Vergangenheit abhakt – und Augsburg die gute Serie gestoppt bekommt. Die Uhr tickt, der Ball rollt, die Schlotterbecks winken.
