Doppelsieg gegen ägypten: späth rettet, knorr zittert – dhb-team mit wm-vorschau auf sendung
94 Sekunden vor Schluss kocht die ÖVB-Arena, weil Ägyptens Linksaußen noch einmal anschlägt. 33:33 – und dann? David Späth fliegt, der Ball bleibt hängen, Julian Köster trifft ins leere Tor. 34:33, zwei Siege, zwei Gesichter: Jubel und Knie-Schmerz im deutschen Lager.
Späth wird zum rückhalt, knorr zum risiko
Der 28-Jährige aus Lemgo war nicht einfach gut, er war der Unterschied: 14 Paraden in der zweiten Hälfte, zwei Siebenmeter gestoppt, eine Stimmung, die selbst Gislason auf der Bank kurz lächeln ließ. „Wenn David so steht, können wir auch mit zehn Toren Rückstand starten“, sagt Kreisläufer Johannes Golla, ohne zu übertreiben. Denn die Athletik des Torhüters kaschierte eine Defensive, die zwischen der 40. und 50. Minute komplett auseinanderbrach. 8:2-Lauf für die Afrikaner, 19:13 wurde fast verspielt.
Juri Knorr humpelte schon bei 6:3. Sein rechtes Knie klappte nach einer Rückwärtsbewegung weg, die Schiene kam, die Tränen auch. Noch läuft er, doch die Bandscheibe zeigt sich. „Wir schauen Tag für Tag“, sagt Physio Frank Stolze, ohne Zeitangabe. Die WM ist in neun Monaten, doch schon am 15. Mai wartet Dänemark – und ohne Knorr wirkt das deutsche Spiel wie ein Smartphone bei 2 % Akku: kurzfristig noch erreichbar, aber nicht mehr gesprächsfähig.

Köster übernimmt kommando, langhoff schlägt zu
Julian Köster traf sechsmal, zweimal aus dem Rückraum, viermal im Tempogegenstoß. Die Ägypter stellten sich zu spät um, seine Laufbahn blitzte auf wie ein Startbahnhof. Dabei war es Abwehr-Allrounder Matthes Langhoff, der die 19:13-Entscheidung markierte – mit einem Sprungwurf, der wie ein Eigentor aussah, bis das Netz zitterte. „Wir haben gelernt, dass Führungen nicht selbstverdient sind“, sagt Langhoff, „sondern erarbeitet werden müssen, Minute für Minute.“
Die Lehre ist ein Protokoll für Januar 2027. Dann will Deutschland in der eigenen Halle nicht nur Achtelfinale, sondern Medaillen. Die Zahlen sprechen dafür: 75 % Trefferquote im ersten Durchgang, 62 % im zweiten; 38 Gegentore in Dortmund, 33 in Bremen – Trend fallend. Doch Zahlen lügen auch, wenn das Knie nicht mitspielt.
Alfred Gislason atmet durch. „Wir haben den Test bestanden, aber die Hausaufgaben liegen noch offen“, sagt der Isländer und schaut schon nach Kopenhagen. Dort spielt seine Mannschaft gegen den Weltmeister, der ohne Mikkel Hansen noch immer wie ein Presslufthammer wirkt. Zwei Spiele, zwei Orte, ein Ziel: WM-Form finden, bevor die eigene Halle explodiert.
Die Bilanz nach 120 Minuten gegen Afrika: 75 Tore erzielt, 71 kassiert, 1 Knorr-Fragezeichen. Die Antwort bekommt das Team am 17. Mai in Köln – oder später auf der Rechnung der eigenen Fans, die jetzt schon wissen: Ohne Späth geht’s, ohne Knorr nur halb. Die WM-Tickets sind schon ausverkauft, das Knie noch nicht.
