Donnarummas albtraum: italien raus – 120 minuten, zwei elfer, eine träne
Gianluigi Donnarumma stand mit 27 Jahren vor dem Tor seiner Träume und erwischte den Albtraum. Italien verpasst zum dritten Mal in Folge eine WM, der Kapitän weinte auf Instagram – und Zenica wird zum Schauplatz einer nationalen Tragödie.
Der Ball kam flach, rechts, zu schnell. Er war noch nicht einmal richtig unten, da war das Netz schon zitternd. Esmir Bajraktarevic traf, Donnarumma rutschte durch, das Stadion explodierte. 120 Minuten hatte er gehalten, was seine Vorderleute zerbröselten: 30 Schüsse fing er, vier kassierte er, zwei Elfmeter ahnte er richtig – und trotzdem reichte es nicht. Die Squadra Azzurra schaut wieder einmal zu, wenn andere im Sommer 2026 um den Pokal spielen.
Die Szene ist ein Bild für ein ganzes Jahrzehnt. Seit dem Triumph von Wembley 2021 ist Italien in vier Finali gescheitert: EM-Achtelfinal gegen Österreich, WM-Playoff gegen Nordmazedonien, Nations-League-Semifinale gegen Spanien, nun Playoff gegen Bosnien. Dreimal musste Donnarumma den entscheidenden Gegentreffer hinnehmen, dreimal war er trotzdem der Beste seines Teams. „Ich habe geweint“, schrieb er nach Mitternacht, „weil wir Italien nicht dorthin bringen konnten, wo es hingehört.“ Die Worte klangen, als hätte er den Satz schon einmal geschrieben.
Der mythos buffon ist längst verblasst
Als er mit 17 debütierte, hieß es, er sei der neue Buffon. Heute, zehn Jahre später, ist er der alte Buffon ohne WM-Ticket. Der letzte italienische K.o.-Sieg auf diesem Planeten datiert aus dem Berliner Sommer 2006. Donnarumma war damals sieben. Seitdem absolvierte er 81 Länderspiele, gewann die EM, wechselte für 60 Millionen nach Paris, wurde in Manchester zum bestbezahlten Keeper der Welt – und durfte nie ein WM-Spiel wuppen. Die Statistik ist so absurd, dass sie schon wieder Kunst ist.
In Zenica half selbst seine List nicht. Als Pio Esposito die Latte traf, zerriss Donnarumma heimlich den Notizzettel von Bosniens Keeper Nikola Vasilj. Der Schritt blieb ungeahndet, die Pointe blieb dieselbe: Italien schoss daneben, Bosnien traf. Danach der Kopfstoß, die wüsten Gesten, der verlorene Fetzen Papier – alles Theater in einem Drama, dessen Ende längst feststand.

2030 Ist das neue 2006 – vielleicht
Der Corriere della Sera sieht in ihm den „Fels in der neuen Jungmannschaft“. Calafiori, Tonali, Esposito – geboren zwischen 1999 und 2005 – sollen 2028 und 2030 endlich liefern. Donnarumma wird dann 31 sein, ein Veteran ohne WM-Erfahrung, aber mit der Aura eines Mannes, der schon alles verloren und trotzdem nicht aufgibt. „Das Leben belohnt die, die alles geben“, schloss er seinen Post. Wenn er 2030 endlich ins WM-Tor stolpert, wird er wissen: Es ist keine Belohnung, nur späte Gerechtigkeit. Und vielleicht reicht das.
