Dimitri barkaia springt ins profi-camp: der 19-jährige, der spanien erobern will
Er ist 19, seit fünf Jahren in Barcelona, hat neun von zehn Amateuren Kämpfen gewonnen – und jetzt reicht es ihm. Dimitri Barkaia, georgischer Kickboxer mit spanischem Pass, debütiert Samstag in der WOW 28 Barcelona als Profi. Er will nicht nur gewinnen, er will die UFC-Klasse von morgen zeigen.
Warum jetzt? weil niemand mehr mit ihm kämpfen wollte
Nach dem spanischen Amateurtitel blieben die Gegner aus. „Wir haben jeden Monat angerufen, neue Verträge geschickt – keiner wollte ran“, sagt er im Gespräch mit der Sportredaktion. Die Promoter warfen Altersfragen ein, andere fanden Ausreden. Barkaia lacht trocken: „Dann eben ohne Schonbezug.“ Sein Management setzte ein klares Ziel: 2024 Profi-Status. Keine halben Sachen.
Die Entscheidung fiel im Frühjahr, als er in Marbella einen 25-Jährigen innerhalb einer Runde stoppte. Ringside saßen Scouts der UFC Europe. Seitdem trägt er im Gym nur noch ein T-Shirt mit der Aufschrift „Next Level“ – und meint sich selbst.

Von tiflis nach torre baró – der umzug, der alles änderte
Mit neun Jahren stand er im georgischen Kickboxing-Keller, mit 14 auf spanischem Asphalt. „Ilia Topuria war unser Vorbild“, erinnert er sich. „Wir wussten: Wenn wir nach Europa wollen, geht das über Spanien.“ Seine Mutter packte drei Koffer, seine Brüder hielten die Handschuhe fest. Der Vater folgte später. In Barcelona schliefen sie im ersten Winter in einem Fitnessstudio, weil die Miete nicht reichte.
Dafür hatte Barkaia jetzt zwei Trainer, einen für Wrestling, einen für Striking. Er absolvierte 14 Einheiten pro Woche, dazu Mentaltraining mit einem ehemaligen Marine-Offizier. „Disziplin und Geduld“, betont er. „Ohne geht gar nichts.“
Die Zahlen sprechen für ihn: 9 Siege, 8 vorzeitig, 1 Niederlage – und das alles gegen ältere Gegner. Nur ein einziger war jemals gleich alt. „Ich habe nie nach IDs gefragt“, sagt er. „Ich frage nur: Wann steige ich ein?“

Stil-check: striker, wrestler oder alleskönner?
Seine Gegner dachten zuerst, er sei reiner Striker. Dann landeten sie auf der Matte. „Sie kamen als Boxer, gingen als Grappler“, grinst er. Barkaia trainiert drei Disziplinen parallel: Muay Thai um 7 Uhr, Wrestling um 15 Uhr, Kraft um 20 Uhr. Dazwischen kommt ein Nickerchen im Auto – das ist seine „Zweitwohnung“.
Für sein Profi-Debüt hat er 4 kg Muskeln zugelegt, ohne die Geschwindigkeit zu verlieren. Die Wetten in Barcelona laufen auf einen ersten-Runden-KO. Barkaia schüttelt den Kopf: „Ich will drei Rounds zeigen, damit keiner mehr fragt, ob ich Gas geben kann.“

Ufc-traum mit 23? „ich habe die deadline im kopf“
Sein Vorbild heißt nicht mehr Topuria, sondern Volkanovski. „Der war auch 23, als er kam“, sagt Barkaia. „Das ist meine innere Uhr.“ Er trägt ein Notizbuch mit den Namen aller UFC-Featherweights. Nach jedem Sparring streicht er eines aus. „Noch 42 Namen“, verrät er. „Dann bin ich dran.“
Sein Management Unlimited Sports Management verhandelt bereits mit Abu Dhabi und Las Vegas. Die Kampagne „From Pelkum to PPV“ ist gestartet – ein Spitzname, der an seine erste deutsche Sporthalle erinnert, wo er als 12-Jähriger gegen erwachsene Urlauber sparrte.
Am Samstag um 22:15 Uhr Ortszeit steigt Barkaia in den Käfig. Sein Gegner: ein 28-jähriger Spanier mit 3 Profi-Kämpfen. Die Quote: 1,25 auf Barkaia. Er selbst lacht: „Die wissen nicht, dass ich mit 15 gegen 25-Jährige gekämpft habe. Für mich ist das ein Trainingstag mit Beleuchtung.“
Wenn er gewinnt, will er sofort den Mikrofon-Griff. „Ich habe einen Satz vorbereitet – auf Georgisch, Spanisch und Englisch.“ Inhalt: „Ich bin nicht der nächste, ich bin der erste Dimitri Barkaia.“ Danach geht es zum Backstage-Interview, wo bereits ein UFC-Scout wartet. Für Barkaia ist das kein Traum, sondern ein Termin. „Der Kalender ist frei gemacht“, sagt er. „Nur der Gegner muss noch zustimmen.“
