Mikel landa zieht bilanz: kein podest-traum mehr, aber jede etappe ein kampf

17. Saison, 17. Frühjahr – und trotzdem klingt Mikel Landa wie ein Rookie, der zum ersten Mal ins Watt tritt. In Catalunya rollt der Basken-Tanker wieder an, doch diesmal ohne die alte Obsession. „Ich will nicht mehr um Podeste beten, ich will Tage siegen“, sagt er, während er im Team-Bus seinen Espresso kippt. Der Winter war seltsam warm, die Beine noch nicht richtig zittrig – und genau das passt.

Warum landa plötzlich die general vergisst

Früher war jede Woche eine General-General-Frage, jetzt ist es eine Etappe-Frage. „Die Rechnung ist einfach: Pogacar, Vingegaard – die sind eine Stufe oben. Dazwischen Luft. Dann kommen wir“, sagt er und zwinkert, als hätte er das Manuskript selbst geschrieben. Statt mit roten Trikots zu rechnen, rechnet er mit Angriffen bei 180 km/h über den Montseny. Die Reise ist das Ziel, nur eben auf Asphalt.

Die Niederlage gegen Movistar hat ihm die Narbe gegeben, die nötig war. „Vertrauen verschenkt“, sagt er knapp über Eusebio Unzué. Beim neuen Arbeitgeber Soudal-Quick-Step ist er jetzt der Lehrmeister für Remco, der gerade vom Teide runtergeski ist und direkt wieder 7 Watt/kg tritt. Landa lacht: „Ich frag ihn, ob er mit Ski oder Rad runterkam.“

Catalunya als testlabor für den giro

Catalunya als testlabor für den giro

Die Volta a Catalunya ist kein Warm-up mehr, sondern ein Frühwarnsystem. „März ist kein Neustart, er ist Endspiel“, sagt er. Wer hier schwächelt, kriegt im Mai keine Einladung zur Hölle der Alpen. Landa will „asomar“ – spanisch für: mal kurz den Kopf durchs Fenster stecken und gucken, ob noch jemand mit ihm leidet.

Sein Training? Er hasst Hitze-Kammern, hasst Gel-Overkill. „Watt-Zone kenne ich seit der Profi-Premiere, aber diese 35-Grad-Sauna auf dem Rolle? Das zwinge ich meinen Füßen nicht mehr an“, sagt er und tippt auf seine Schienbeine, die so dürr sind wie die Streckenprofile der Vuelta. Dafür hat er die Genesung verinnerlicht: Schlaf, Eis, Wiederholung. „Erfolg ist, wenn du morgens wieder treten kannst, ohne zu fluchen“, lautet seine Formel.

Letzte runde? noch nicht gemalt

Letzte runde? noch nicht gemalt

Vertraglich offen, mental schon wieder auf der nächsten Etappe. „Ich weiß nicht, ob es das letzte Jahr wird. Ich weiß nur, dass ich heute noch nicht aufhöre“, sagt er und schaut aus dem Bus-Fenster, wo die ersten Fans mit Landismo-Fähnchen wedeln. Die 17. Saison ist keine Rente, sie ist ein Probelauf für die 18. – und wenn er irgendwann mit 40 noch in einem break sitzt, wird niemand mehr über Podeste sprechen. Dafür über den Typen, der einfach nicht aussteigt.