Dietz' em-titeljubiläum: pokal-fauxpas und papst-vorhersage
Rom, 22. Juni 2024 – Vor 44 Jahren feierte Deutschland in Rom den Triumph bei der Europameisterschaft. Kapitän Bernard „Ennatz“ Dietz stand im Mittelpunkt, doch der Jubel wurde von einem kleinen, aber unvergesslichen Moment überschattet. Ein Blick zurück auf den italienischen Sommer, der für den MSV Duisburg-Legionär zu einem einzigartigen Erlebnis wurde.
Die königin wartet, der pokal ruft
Der 22. Juni 1980: Deutschland hatte sich im Finale gegen Belgien mit 2:1 (1:0) durchgesetzt. Dietz, als Kapitän erster Pokalheber, eilte zur Ehrentribüne – und vergaß in seiner Ekstase die Anwesenden. Königin Fabiola, die belgische Monarchin, streckte ihm die Hand zum Gratulieren entgegen. Doch Dietz, geblendet vom Glanz des Silberpokals, lief achtlos an ihr vorbei. „Ich habe das damals gar nicht wahrgenommen“, gestand Dietz Jahrzehnte später im Gespräch mit Sport1. „Als ich die Bilder später sah, war mir unangenehm.“

Von cordoba zur em-sensation
Die Ausgangslage vor dem Turnier war alles andere als rosig. Die „Schmach von Cordoba“ zwei Jahre zuvor, bei der Deutschland gegen Österreich sang- und klanglos verlor, lastete schwer auf der Mannschaft. Wichtige Spieler wie Berti Vogts und Sepp Maier waren nicht mehr dabei, und kurz vor dem Turnier fiel Klaus Fischer mit einem Schienbeinbruch aus. Bundestrainer Jupp Derwall berief daraufhin den jungen Horst Hrubesch nach – ein überraschender Schachzug, der sich als genial erweisen sollte.

Ein teamgeist, der überraschte
„Den Gruppensieg und den Finaleinzug hat uns niemand zugetraut“, erinnert sich Dietz. Der erste Härtetest war der gegen den Titelverteidiger, die Tschechoslowakei. Karl-Heinz Rummenigge sorgte mit seinem Treffer für den knappen 1:0-Sieg. Im zweiten Gruppenspiel gegen die Niederlande brillierte Klaus Allofs mit drei Toren, doch der 3:2-Erfolg war hart erkämpft. Ein junger Lothar Matthäus, damals erst 19, erhielt seine ersten EM-Minuten – dank einer cleveren Täuschung Dietz’.

Ein eis, ein papst und ein prophet
Da der Gruppensieg bereits feststand, war das letzte Spiel gegen Griechenland nur noch von statistischer Bedeutung. Jupp Derwall schonte seinen Kapitän, der das Finale von der Tribüne aus verfolgte – bei einem Eis in der Hand. „Er war eher ein Kumpeltyp“, blickte Dietz zurück. Während Dietz entspannt zusah, hatten Hrubesch und Caspar Memering ganz andere Pläne: Sie besuchten eine Papstaudienz auf dem Petersplatz. Memering prophezeite, dass der Papst mit einem Kreuzzeichen zwei Tore ankündige – und Hrubesch erfüllte diese Vorhersage im Finale.
Führungstor, elfmeter-schock und der entscheidende kopfball
Deutschland startete furios ins Finale. Bernd Schuster legte mit einem Doppelpass und einem Lupfer den Ball mustergültig für Hrubesch, der zum 1:0 einköpfte. Doch Belgien ließ sich nicht entmutigen. Ein fragwürdiger Elfmeter, nach einem Foul von Uli Stielike vor dem Strafraum, brachte die Belgier zurück ins Spiel. René Vandereycken verwandelte sicher. Doch Deutschland gab nicht auf. Der Co-Trainer Erich Ribbeck hatte bereits Wasser und Zitronenscheiben bereitgestellt, doch es kam nicht dazu. Nach einem Eckstoß von Rummenigge stieg Hrubesch erneut hoch und köpfte den Ball zum 2:1 ins Netz – Memerings Prophezeiung war wahr geworden.
Von frankfurt zum schützenfest
Der Jubel kannte keine Grenzen. Doch Dietz und Stielike mussten noch zur Dopingprobe, was den Mannschaftsbus zur Falle machte. Mit dem Taxi schlossen sie sich der Party in Rom an. Am nächsten Morgen flogen die Europameister nach Frankfurt, wo sie jedoch keinen großen Empfang erwartete. „Unsere Wege trennten sich am Flughafen, und dann ging es direkt nach Hause“, erzählt Dietz. Für den Kapitän hieß es: Ab in den Heimatort Walstedde, wo gerade Schützenfest war – ein perfektes Ende eines perfekten Sommertages. Die Duisburger brachten ihm Tage später eine kleine Trophäe als Anerkennung für seinen Erfolg.
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