Dhb-pokal der frauen: wer stoppt den ewigen zirkus um den henkelpott?
Kein Halten mehr. Vier Teams, drei Titelanwärterinnen, eine Krone – und kein klarer Favorit. Beim Final Four in Stuttgart steht der DHB-Pokal der Frauen vor seiner offensten Ausgabe seit Jahren. Borussia Dortmund, HSG Bensheim/Auerbach, Thüringer HC, HSG Blomberg-Lippe – alle haben sie schon verloren, alle haben sie schon gezittert, und alle könnten am Sonntag jubeln. Die Frage ist nicht, wer kann. Die Frage ist: Wer will am meisten?
Die verlierer-mentalität ist geschichte
Die HSG Bensheim/Auerbach ist das lebende Beispiel für geduldige Rache. Dreimal stand sie im Finale, dreimal ging sie leer aus. 2023 war sie dran, scheiterte an Bietigheim. Jetzt ist Bietigheim weg, und mit ihm das Trauma. „Wir sind nicht mehr das Aufbäumen nach 70 Minuten“, sagt Mareike Thomaier – allerdings von der Tribüne. Die Weltmeisterin fällt aus, aber ihre Stimme bleibt. Und sie flüstert: Diesmal nicht ohne Titel.
Borussia Dortmund dagegen hat den Pokal schon. Einmal. 1997. Damals war Guro Nestaker noch nicht geboren. Jetzt spielt sie für den BVB – und kann als erste Siegerin des Modells „Titel mit zwei Klubs“ in die Geschichtsbücher einziehen. Norwegen ruft. Dortmund zittert. Das ist kein Finale, das ist ein Kammerspiel.

Die machtverhältnisse sind verschoben
Leverkusen? Nicht dabei. Leipzig? Fehlanzeige. Ludwigsburg? Pause. Die alten Rechnungssteller sind abgestellt, die neue Ordnung heißt: Wer zuletzt lacht, lacht besser – aber längst nicht sicher. Der Thüringer HC hat das schon verstanden. 2019 gewann er zuletzt. Seither wartet er. Drei Titel, keine Finalniederlage – eine Statistik, die nagt. „Wir sind hungrig, aber nicht blind“, sagt Herbert Müller. Seine Mannschaft ist jung, schnell, manchmal zu schnell. Das kann ein Vorteil sein. Oder eine Falle.
Die HSG Blomberg-Lippe ist das ungeliebte Kind der Riege. Dreimal Finale, dreimal Leer aus. 2025 steht sie wieder da – und niemand redet über sie. Das ist ihr größtes Asset. Sie spielt ohne Erwartung, aber mit dem Messer zwischen den Zähnen. Wer sie unterschätzt, kassiert die Quittung auf dem Silbertablett.

Die zahlen lügen nie – aber sie schweigen
Neun Titel hat Leverkusen auf dem Konto, doch im April 2025 interessiert das kein Menschen mehr. Die Gegenwart ist ein Spiegel ohne Rückseite. 2024 gewann Metzingen überraschend. 2023 Bietigheim. 2022 wieder Bietigheim. Die Logik: Es gibt keine. Nur eine Gewissheit: Am Ende steht eine Siegerin, die sich nicht erklären muss. Sie hat einfach mehr Tore gemacht. Punkt.
Stuttgart wird am Wochenende zur Arena der kurzen Wege. Vier Teams, zwei Tage, ein Pokal. Keine Ausreden, keine zweite Chance. Wer hier verliert, hat ein ganzes Jahr Zeit, sich selbst zu hassen. Wer gewinnt, trägt den Henkelpott nach Hause – und weiß: Nächstes Jahr ist alles anders. Das ist der Charme des Pokals. Und sein Fluch.