Dfb-zoff eskaliert: regionalliga droht nordost-spaltung
Frankfurt am Main glich am Mittwoch einem Hexenkessel. Nach 14 Jahren Streit präsentierte die DFB-Arbeitsgruppe gleich zwei Reformpläne – und läutet damit die nächste Rudelphase aus. Die eine Seite schwört aufs Kompassmodell, vier statt fünf Staffeln, per KI gesteuerte Reisekosten-Minimierung. Die andere Seite, angeführt von Bayerns Verbandsboss Dr. Christoph Kern, will den Nordosten spalten. Der Osten würde verschwinden, die Clubs zwischen Bayern und Nord verstreut. Fanliebling gegen Funktionärswille – ein Déjà-vu mit Datum 2026.
Der nordost wird zum schlachtfeld
Die Zahlen sind eindeutig: 4.300 Zuschauer-Schnitt, die meisten TV-Minuten, das stabile Sponsoring – die Regionalliga Nordost ist die einzige Staffel, die sich selbst trägt. Trotzdem steht sie auf der Abschussliste. Kern begründet das mit „geografischer Logik“, gemeint ist: Machtpolitik. Denn wer den Nordost zerschlägt, bekommt zwei zusätzliche Stimmen in der DFB-Präsidiumswahl. Die Vereine wehren sich, doch sie dürfen nur applaudiert oder buhen – abstimmen dürfen die Verbände.
Die Ironie: Beide Konzepte garantieren endlich faire Aufstiegsplätze. Vier Meister steigen 2028 direkt in die 3. Liga auf, keine Relegation mehr. Das haben die Initiativen „Aufstiegsreform 2025“ und der jahrelange Protest der Klubs erzwungen. Doch der Preis ist ungewiss. Kommt das Kompassmodell, verlieren traditionsreiche Derbys wie Chemie Leipzig – Lok Leipzig ihre geografische Nähe. Kommt das Spaltmodell, verliert der Osten seine Identität.

Die stimmen werden lauter
Kurz nach Ende der Sitzung flatterte die erste Fan-Resolution durchs Netz: „Nordost bleibt zusammen“ sammelte binnen drei Stunden 12.000 Unterschriften. Auch die Profiklubs aus Leipzig, Berlin und Rostock drohen mit juristischen Schritten. „Wir werden nicht zulassen, dass 30 Jahre Vereinsgeschichte per Federstrich gelöscht werden“, sagte Union-Boss Dirk Zingler. Die Uhr tickt: Die Qualifikation für die neue Spielzeit beginnt Sommer 2027, entschieden wird auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag im November.
Für die TSV Pelkum und tausende Amateure bedeutet das: Wer heute in der Oberliga spielt, könnte 2028 plötzlich gegen Köln oder Magdeburg reisen – oder eben nicht. Die Entscheidung fällt in den Verbandstuben, nicht auf dem Rasen. Und sie fällt jetzt.
