Deutschlands tischtennis-stars fliegen voll ins jubiläum

London, 1926 hatte die erste WM den Tischtennis-Weltmeisterschaften ihren Namen gegeben – 100 Jahre später schickt der Deutsche Tischtennisbund (DTTB) eine Armada, die jeden Gegner schlucken lässt. Mit allen Topspielern im Gepäck. Kein Verletzungspech, kein Dopingfall, kein Streit. Einfach ein Kader, der nach Gold riecht.

Die Entscheidung fiel laut Sportvorstand Richard Prause einmütig. Kein Wunder: Wer will schon auf Weltranglisten-11 Dang Qiu oder die erst 18-jährige Annett Kaufmann verzichten? Prause sprach von „Varianten“, doch intern war klar: Die beste Formation fährt. Punkt.

Frauen-team um kaufmann jagt den ersten titel seit 1937

Bei den Damen glänzen neben Kaufmann gleich fünf weitere Akteurinnen mit Top-30-Niveau. Sabine Winter liefert Erfahrung, Ying Han die unberechenbaren Aufschläge. Nina Mittelham und Yuan Wan sorgen für Tiefe. Keine Mannschaft kann so oft wechseln, ohne Qualität zu verlieren.

Die Männer schicken eine Achterbahn aus Power und Phantasie. Dang Qiu spielt seit Monaten auf Augenhöhe mit den Chinesen, Benedikt Duda schmettert Bälle mit einer Geschwindigkeit, die selbst die Hawk-Eye-Kameras hinterherhängen. Dann ist da noch Dimitrij Ovtcharov – zweimal Olympia-Bronze, aber hungrig wie ein Debütant. Und Andre Bertelsmeier? Der 20-Jährige schlittert mit dem Selbstbewusstsein eines Berliner Club-DJs durch die Halle.

London wird zur falle für die favoriten

London wird zur falle für die favoriten

Die Chinesen reisen mit Statisten, die Europäer mit Hoffnungsträgern. Deutschland aber kommt mit einer Mischung aus Eis und Feuer. Prause nennt das „breit aufgestellt“, Insider sagen: Endrundentauglich. Die Gruppenphase beginnt am 1. Mai, das Finale steigt am 7. Mai im Queen Elizabeth Olympic Park. Wer dort deutsche Nummern auf dem Rücken trägt, wird nicht nur um Medaillen spielen – sondern auch um Legendenstatus.

Die letzte deutsche WM-Medaille im Teamwettbewerb datiert von 2012 – Bronze in Dortmund. Seitdem folgte Viertelfinal-Frust. Diesmal könnte das Jubiläum zum Befreiungsschlag werden. Denn wer in London gewinnt, schreibt Geschichte im selben Saal, in der Geschichte begann.

Die Tickets für die deutschen Gruppenspiele sind längst ausverkauft, die Fan-Diaspora aus Bensheim, Berlin und Bremen bucht Zugtickets nach Eurostar-Preisen. Die Botschaft ist klar: Wer im Centenary-Jahr in London auffährt, hat nur eine Richtung – nach vorn. Ohne Wenn und Aber. Ohne Sicherheitsnetz. Mit allen Stars an Bord.