Deutschland verlässt die winter-paralympics als krasse verliererin
Zwei Goldmedaillen, Platz zehn im Medaillenspiegel – das ist der karge Ertrag, mit dem der Deutsche Behindertensportverband die Winterspiele in Norditalien verlässt. Marc Möllmann, Chef de Mission, spricht dennoch von einer „positiven Bilanz“. Wer zuhört, hört vor allem eins: Verdruss, verpackt in Phrasen.
Möllmanns rechnung: 16 medaillen sind kein debakel, sondern korridortreue
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. 16 Medaillen bedeuten den schlechtesten Winter-Winter seit Sotschi 2014. Damals gab es 15, jetzt 16 – ein Plus von exakt einer Medaille in zwölf Jahren. Deutschland liegt im Gesamtzähler zwar auf Rang vier, doch das Gold liegt brach. Anna-Lena Forster holte als Monoskifahrerin beide ersten Plätze. Mehr nicht.
Die übrigen 14 Podestplätze: Silber und Bronze – also das, was früher „Edelmetall zweiter Klasse“ hieß. Neun vierte Plätze kommen noch hinzu, ein halbes Dutzend Herzinfarkt-Ergebnisse. Möllmann: „Das tut weh für die Athleten, für uns auch.“ Der Satz klingt, als hätte jemand vergessen, dass Sport wehtun darf, wenn er zuvor auch begeistert.

Nordisch-desaster und die selbsttäuschung von morgen
Im Ski Nordisch, einst deutsche Domäne, klafft ein Loch. Kein Gold, kein Silber, kaum ein Ausrufezeichen. Der Vorstand Leistungssport redet von „zutrauen“, doch trauen ist kein Ergebnis. Was bleibt, ist das Ritual: nach vorn schauen, 2030 in Frankreich, neue Medaillen, neue Helden. Die Athleten von heute dürfen unterdessen mit den Neuntplatzen leben.
Der Verband nennt das „Leistungsbereitschaft“. Wer genau hinsieht, erkennt: Die Bereitschaft ist da, die Leistung fehlt. Und so fliegt die Mannschaft nach Hause, mit zwei Goldstücken im Gepäck und einem Satz im Mund, der klingt, als wäre alles in bester Ordnung. Sport ist eben auch Lügen leben – solange die Zahlen nicht mitspielen.
