Hiljemark brennt: „mein vertrag zählt nicht – beim pisa zählt nur der sieg“
Der Schwede spricht, als stünde er bereits mit dem Rücken zur Wand. Oscar Hiljemark, 29 Jahre alt, Trainer des FC Pisa, gibt sich in der Pressekonferenz vor dem Duell mit Cagliari keine Blöße – und doch hallt die Angst durch jeden Satz. Rauswurf? Kein Thema, sagt er. Dann redet er weiter. Und macht es selbst zum Thema.
„Ich trage die volle verantwortung“
Die Zahlen sind gnadenlos: seit fünf Spielen ke Sieg, 18 Gegentore, Platz 16 – eine Punkteanzahl, die nach Abstiegszone riecht. Hiljemark weiß das. „Die Woche war hart, die Stimmung im Training zuerst mies“, gesteht er. „Aber wir haben reagiert. Wir haben gebissen.“ Beißreflex statt Ballbesitz – das ist die neue Devise.
Die Kurve der Fans hingegen schwenkt bereits Transparente mit „Hiljemark raus!“. Der Klub droht, in die zweite Reihe der italienischen Presse zu rutschen: von der Serie A-Startseite bis zur Regionalzeitung ist nur noch ein Thema übrig – der drohende Abstieg des kleinen Clubs aus der Toskana.

Keine garantien für touré, tramoni oder akinsanmiro
Im Mittelpunkt stehen nicht nur die Punkte, sondern die Personalpolitik. Hiljemark erklärt, warum Touré plötzlich draußen sitzt, warum Leris läuft und Akinsanmiro nur Kurzeinsätze erhält. „Ich will ehrliche Beziehungen“, sagt er. „Wenn jemand besser trainiert, spielt er. Punkt.“ Keine Ausreden, keine Alibi-Kader. Der Coach sortiert aus – und riskiert dabei die Kabine.
Die Uhr tickt. Sein Vertrag läuft bis 2028, doch in Pisa gilt seit jeher: Verträge sind Papiere, Trainer sind temporäre Sklaven der Tabelle. „Ich denke nicht an 2027. Ich denke an Samstag, 15 Uhr, Cagliari. Alles andere ist Nebel“, donnert er in den Mikrofonen. Die Journalisten lauschen, einige lachen schief – weil sie wissen, dass genau das die Wahrheit ist.

Die wahrheit steht in der tabelle
Ein Sieg gegen Cagliari würde die Kurve beruhigen, vielleicht die Geschäftsführung zögern lassen. Eine Niederlage? Dann flattert morgen die Pressemeldung: „Pisa trennt sich von Hiljemark“. Die Klausel ist schon formuliert, die Agenten bereits wach. Der Schwede selbst wirkt, als hätte er mit dem Schlimmsten abgeschlossen. „Ich bin hier, um zu gewinnen. Wenn das nicht reicht, gebe ich die Hand, packe meine Koffer und danke für die Zeit.“ Kein Jammern, kein Betteln – nur pure Sieger-Mentalität in einer Lage, in der es nichts mehr zu gewinnen scheint.
Am Samstag um 20:45 Uhr deutscher Zeit steht er wieder an der Seitenlinie, die Haare nach hinten geliert, die Stimme heiser vom Dauerkommandieren. Die 90 Minuten im Garibaldi-Stadion werden über seine Zukunft entscheiden – und vielleicht über die des ganzen Klubs. Die Rechnung ist simpel: entweder drei Punkte oder ein Abschied. Für Hiljemark gibt es kein Mittelding mehr. Die Serie A wartet nicht auf Tränen. Sie wartet auf Tore.
