Deutschland ringt ägypten nieder – wm-turbulenz beginnt 300 tage vor heim-wm
46 Tage nach der EM-Trauer war die Halle schwarz-gelb, die Stimmung laut, die Nerven blank. Deutschlands Handballer haben Ägypten 41:38 geschlagen – und dabei mehr Kämpfe als Tore gesehen.
Die Westfalenhalle kochte. 10.732 Zuschauer schmetterten „Berlin, Berlin“-Gesänge, während Juri Knorr mit vier Treffern in Serie die deutsche Mannschaft auf 26:22 schoss. Doch der Vorsprung zerbröselte, weil hinten die Abwehr wackelte und vorne jeder zweite Wurf mit Ägypter-Fausten landete. 41:38 – ein Ergebnis, das die Analyse länger dauert als das Spiel.
Silbermedaille endlich um den hals – aber mit verspätung
Die Ehrung war ein Nachspiel im Wortsinn. Verdi legte den Nahverkehr lahm, die Spieler standen auf dem Parkett, während draußen Streikposten ihre Pfiffe schwangen. DHB-Vizepräsident Bob Hanning drückte die Medaillen in Hände, die noch nach Harz-Handball rochen. GroßstadtEngel spielten „Hier kommt die Sonne“, doch die Sonne kam nur auf der Leinwand.
Alfred Gíslason warf bereits die Blicke nach vorn. 300 Tage bis zur Heim-WM, 300 Tage, um aus einem Sieg mit Beulen ein Team zu schmieden, das auch den letzten Druck wegsteckt. Der Isländer rotierte kräftig: Wolff, Dahmke, Zerbe pausierten, Grgic lag mit Magen-Darm flach, Ludwig rutschte für sein Debüt zwischen die Pfosten – und wehrte den ersten Ball mit dem Fuß ab. „Ich hab nur gedacht: Nicht klatschen, bitte nicht klatschen“, sagte er später. Die Halle klatschte trotzdem.

Bremen fordert mehr als siegeswillen
Am Sonntag geht’s nach Bremen. Gíslason wird die Videobänder zerschneiden, die Abwehr muss enger, die Kreisläufer müssen die Lücken finden, die Ägypten offen ließ. Die Fans werden wieder 15.000 sein, die Tickets sind restlos weg. Dort will der Bundestrainer sehen, ob die Offensive auch funktioniert, wenn der Gegner nicht fastenmüde ist. Denn gegen Dänemark wird keiner müde sein – und 300 Tage sind schneller vorbei als ein 7-Meter-Wurf.
Die WM-Auslosung am 10. Juni im Münchner Hofbräuhaus wird die Gruppenzuteilung bringen. Die deutsche Mannschaft weiß: Sie haben gewonnen, aber noch längst nicht angekommen.
