Nagelsmann packt aus: goretzkas wm-ticket trotz bank-alltag

Julian Nagelsmann liebt klare Worte – und provoziert sie trotzdem. Seine jüngste Aussage über Leon Goretzka klingt wie ein Seitenhieb: „Spielen kann auch zwei Minuten heißen.“ Doch dahinter steckt ein Plan, der den 29-Jährigen bis zur WM 2026 an Bord halten soll – obwohl ihn in München derweil nur die Bank wärmt.

Der Bundestrainer bestätigte am Donnerstag, was viele ahnten: Goretzka ist Teil der langfristigen US-Reise. „Wenn er gesund ist, ist er dabei“, sagte Nagelsmann. Kein Freifahrtschein, sondern ein Anreiz. Denn der Mittelfeld-Router aus dem FC-Bayern-Reservat soll im Saisonendspurt nochmal richtig Gas geben – für die Hitze in Amerika, für die 90-Minuten-Marathon, für das Turnier, das seine letzte Chance auf WM-Ruhm werden könnte.

Warum goretzka und nicht bischoff, karl oder el mala?

Nagelsmann zieht eine klare Trennlinie. Goretzka trägt eine EM-Historie mit sich, die nicht nur aus Gold besteht. „Er war super frustriert“, erinnert sich der Trainer an das verpasste Ticket 2024. Die Kommunikation sei „nicht optimal“ verlaufen, ein Stück weit habe der Spieler sich im Nebel bewegt. Das wollte Nagelsmann nicht wiederholen. Also sprach er, statt zu schweigen. Gab dem Profi ein Gefühl, das größer ist als seine aktuelle Rolle beim Rekordmeister.

Die Rechnung: Goretzka liefert Physik, Kopfballmonster, Strafraum-Präsenz. Eigenschaften, die Nagelsmann im defensiven Mittelfeld vermisst. „Wir brauchen jemanden, der Luftkämpfe gewinnt und den Gegner in die Knie zwingt“, sagt er. Felix Nmecha? Talentvoll, aber noch nicht kampfgeprüft. Goretzka hingegen ist ein eingeschweißter Krieger – zumindest in der Theorie.

Die physiologie als k.o.-kriterium

Die physiologie als k.o.-kriterium

Ein Detail bleibt unterschlagen: Goretzka muss spielen. Nicht nur zwei Minuten, sondern 90, vielleicht 120 in mexikanischer Hitze. Nagelsmann fordert „Einsatzminuten im Saisonendspurt“, sonst schmilzt die Durchlässigkeit. Der Körper soll sich an Wettkampf-Metronom gewöhnen, nicht an Einwechsel-Sprints. Die Botschaft ist klar: Wer nicht läuft, fliegt – WM-Zusage hin oder her.

Der Countdown läuft. In den letzten drei Länderspielen vor der Endrunde wird Goretzka seine Dauerläufer-Qualitäten unter Beweis stellen müssen. Nagelsmann will seine Worte nicht zurücknehmen, nur präzisieren. „Gute Chancen“ heißt eben nicht „Garantie“. Und Goretzka? Er weiß, dass seine Uhr tickt. 31 Jahre alt, 57 Länderspiele, kein Titel seit der Confederations Cup 2017. Die WM 2026 könnte seine letzte Bühne sein – wenn er sie sich erläuft.