Deutschland paralympisch im medaillenrausch: dreimal bronze nach olympischem magergeschäft
Elf Wettkämpfe, eine Medaille – das war die olympische Bilanz der deutschen Skijäger. Am ersten Tag der Paralympics in Tesero schon drei Bronzeröcke. Der Kontrast könnte brutaler nicht sein.
Wicker kämpft sich trotz doppelfehler aufs podest
Anja Wicker saß, schoss daneben – zweimal – und lachte trotzdem. 34 Jahre alt, seit 18 Jahren im Schneegeschäft, kannte sie diesen Moment: Schnee rutschig wie Seife, Pulsschlag bei 180, zwei Strafrunden. „Ich hab nur noch gehofft, dass ich es ins Ziel reiße“, sagte sie, als ihre Zeit für Bronze reichte. Die US-Ukrainerin Oksana Masters blieb clean, nahm Gold, lächelte wie eh und je. Andrea Eskau, 54, fehlerfrei, aber neunte – das zeigt, wie klein der Unterschied zwischen Jubel und Jogging-Heimweg ist.

Maier läuft in kurzer hose ins zeugenschutzprogramm
Marco Maier jagte in Shorts und T-Shirt durch plus-grade-Toskana-Luft. 26 Grad Schatten, 0,2 Sekunden Vorsprung – das ist keine Medaille, das ist ein Atemzug. Nach Peking-Doppel-Silber seine dritte Paralympics-Medaille, trotz Trainingsrückstand nach einer Virusinfektion. „Die Beine haben gebrannt, aber der Kopf war klar“, sagt er und klingt wie ein Mann, der weiß, dass Bronze manchmal glühender ist als Gold.

Walter und krasman blind, aber nicht fehlgeleitet
Leonie Walter, 22, sah nichts, verließ sich ganz auf Christian Krasman, 24, der vor ihr hersprintete und dabei wie ein Metronom zählte: „Links, rechts, jetzt Schuss.“ Kein Fehler, Bronze. Hinter ihnen Lücke, vor ihnen die chinesische Siegerin Yue Wang. Johanna Recktenwald und Linn Kazmaier folgten auf fünf und sieben – ein Quartett, das beweist: Sehbehinderung heißt nicht, das Ziel nicht zu kennen.
Ralf Rombach, 57, Bundestrainer, strahlte wie ein Weihnachtsmann im März: „Dreimal Bronze, drei Mal Glück – und drei Mal hart erarbeitet.“ Er weiß: Vierter Platz ist das schärfste Messer im Sport, und heute hatte Deutschland das Klingengeschäft geschlossen. Morgen geht’s weiter. Die deutschen Skijäger haben bewiesen: Enttäuschung ist nur der Vorraum zur Revanche.
