Deutschland jagt 2030: diese neuen gesichter sollen den medaillen-crash verhindern
26 Medaillen aus Mailand – ein Schnitt, der selbst im Bob schmerzt. Während die alten Helden die Helmnummern an den Nagel hängen, zieht im Nachwuchs längst die nächste Welle auf. Sie ist jünger, schneller – und steht vor der härtesten Generalprobe ihrer Karriere.
Der exodus beginnt: friedrich, lochner und co. machen dicht
Francesco Friedrich lächelt noch einmal, dann ist Schluss. Der 35-jährige Doppel-Olympiasieger hat sich entschieden: Kein Meter mehr Eiskanal nach 2026. Neben ihm wird auch Johannes Lochner die Carbon-Bobs austauschen gegen Bauanleitungen und Vaterfreuden. Was bleibt? Ein Vierer-Bob voller Jungspunde, der keinerlei Olympia-Erfahrung mitbringt – und trotzdem Gold fahren soll.
Adam Ammour bewies in Mailand, dass er Bronze nicht nur aus Versehen holt. Mit 24 gilt er als neues Zugpferd, doch dahinter wird es dünn: Maximilian Illmann und Laurin Zern trainieren zwar schon mit Weltcup-Startnummern, doch wer ihnen in die Suppe spuckt, wenn die Kanadier und Letten wieder Vollgas geben, das weiß derzeit selbst Bundestrainer René Spies nicht.

Die frauen könnten den deutschen bob retten
Laura Nolte spielt verrückt. Eigentlich wollte die 27-Jährige nach 2026 aufhören, doch das Gold von Mailand schmeckt nach mehr. „Ich merke, wie der Körper noch Luft nach oben hat“, sagt sie zwischen zwei Sprinteinheiten im Lehrgeldorf Oberhof. Ob Lisa Buckwitz mit 31 noch einmal im Zweier durchs Ziel rauscht, ist offen; Charlotte Candrix und Leona Klein sind jung genug, um 2030 als Duo anzugreifen – und alt genug, um Druck zu vertragen.
Im Rodeln zeichnet sich dasselbe Bild: Max Langenhan wird bleiben, Felix Loch will’s nochmal wissen – 38 Jahre alt, ein halbes Leben auf Eis. Doch die Garanten der letzten Dekade verschwinden: Julia Taubitz, die Tobias-Wendl/Arlt-Doppelpackung, Dajana Eitberger – alles Namen, die klingen wie eine Siegesserie, aber 2030 nur noch als Experten im ARD-Studio sitzen.

Ski alpin: emma aicher ist kein einzelfall mehr
Emma Aicher liefert den plot twist: Zweimal Silber, 22 Jahre jung, und plötzlich redet niemand mehr vom „Ruin des alpinen Nachwuchses“. Dahinter tun sich Riesen auf: Romy Ertl, 18, Tochter von Martina, schoss beim Saisonfinale in Saalbach-Hinterglemm zwei Top-15-Platzierungen hin. Luisa und Laila Illig, 17 und 19, vertreiben sich die Wartezeit auf die Weltcup-Premiere mit Schneekanonen-Tests in ihrer Hintergarten-Piste. Und weil’s so schön ist, hängt der DSC auch noch Jana Fritz (20) an den Speed-Karren.
Bei den Männern wartet ein Trio, das noch nie Sekt durchnässt hat: Felix Rösle, Benno Brandis, Luis Vogt – 21, 19, 24. Brandis holte Gold bei Olympia der Jugend, Vogt fuhr in Kitzbühel Platz acht, und Rösle? Der fuhr so schnell, dass selbst die ÖSV-Techniker die Videoanalyse drei Mal schauten. Keiner von ihnen trägt noch einen Sponsorvertrag, der die Miete zahlt – 2030 könnte ihre Rechnung kommen.
Springen, biathlon, skeleton: die talente sind da – fehlt nur der durchbruch
Philipp Raimund ist 25 und schon Olympiasieger. Klingt nach Ruhestand, ist aber die deutsche Spring-Hoffnung für 2030. Andreas Wellinger, 30, muss sich nach zwei durchwachsenen Wintern fragen lassen, ob er noch Luft nach oben hat – oder nur noch Schnee. Im Biathlon fehlt nach Franziska Preuß’ Abschied die Gesichtslosigkeit: Selina Grotian, Julia Tannheimer und Marlene Fichtner schwanken zwischen Kugelhagel und Kugelregen. Konstanz? Fehlanzeige. Leonhard Pfund, 22, IBU-Cup-Sechster, soll es richten – ob er kann, wird sich zeigen, wenn die Norweger wieder ihre Siegespose einstudieren.
Im Skeleton zieht Christopher Grotheer die Bremsen. Jacqueline Pfeifer und Axel Jungk folgen dem Ruf des normalen Lebens. Hannah Neise, 25, trägt noch die Krone, doch hinter ihr lauern Viktoria Hansova und Viktoria Dönicke – Namen, die man sich merken sollte, wenn 2030 die Eisbahn in Chamonix droht zu glühen.
Die entscheidung fällt 2027 – und sie fällt hart
Die Qualifikationsperiode für 2030 beginnt in zwei Jahren. Bis dahin müssen Ammour, Aicher, Raimund & Co. nicht nur Medaillen holen, sondern auch Gelder, Medien, Aufmerksamkeit. Das DSV-Budget schrumpft, die Konkurrenz wächst. Die Franzosen bauen neue Kanäle, die Öser pumpen Millionen in Nachwuchs-Zentren, die Norwegen setzen auf Daten statt auf Dusel.
Deutschland setzt auf Jugend. Ob das reicht, wird sich zeigen, wenn 2030 in den Alpen die Föhnwinde pfeifen. Eines ist sicher: Die alte Garde ist weg. Die neue muss liefern – sonst wird aus der 26-Medaillen-Bilanz schnell eine 16-Medaillen-Katastrophe. Und niemand will sich erinnern, wann das letzte Mal so wenig Gold blinkte.
