Deutschland gegen ägypten: gislasons experiment mit zwei ausfällen und einem ziel

Die Handball-Nationalmannschaft trifft heute zum zweiten Mal binnen fünf Tagen auf Ägypten – und diesmal droht ein Déjà-vu mit Schönheitsfehlern. Denn während das 41:38 vom Mittwoch noch für Euphorie sorgte, fehlen Marko Grgic und Timo Kastening – beide Ausfälle fallen kurzfristig, beide schmerzen unterschiedlich.

Grgic und kastening: infekt und privatfall lassen lücken offen

Grgic, Linkshänder mit Torriecher, bleibt wegen eines Infekts in der Halle. Kastening, Rechtsaußen mit Sprintdrang, begründet seine Absenz mit „privaten Gründen“. Für Bundestrainer Alfred Gislason heißt das: Umstellen, testen, riskieren. Denn die nächsten Gegner heißen nicht mehr „nur“ Afrika, sondern Dänemark – zweimal im Mai, einmal in Kopenhagen, einmal in Köln. Olympiasieger, Weltmeister, Europameister. Ein Vorgeschmack auf die WM 2027, die in 20 Jahren endlich wieder in Deutschland stattfindet und für die Gislasons Vertrag bislang nur eine mündliche Zusage ist.

„Es wäre schlimm, wenn wir einen Monat vor der WM keine Klarheit hätten“, sagt Ingo Meckes, DHB-Sportvorstand. Doch Klarheit ist ein dehnbares Wort im Deutschen Handballbund. Die Entscheidung über Gislasons Zukunft soll „vor der Heim-WM“ fallen, wann genau, bleibt offen. Ein unmittelbarer Druck bestehe nicht, betont Meckes – ein Satz, der genau das Gegenteil bewirkt.

Juri knorr: „gut für uns“ – oder ein bluff?

Juri knorr: „gut für uns“ – oder ein bluff?

Spielmacher Juri Knorr spricht von „guten Gegnern“, als hätte man sich die Pharaonen und die Dänen selbst ausgesucht. Tatsächlich ist die Partie gegen Ägypten ein Test für die Tiefe des Kaders. Ohne Grgics Wurfvariante und ohne Kastenings Tempo auf der Außenbahn muss Gislason erneut experimentieren. Die Frage lautet nicht, ob das DHB-Team gewinnt – sondern wie viel Lehrgeld es dabei zahlt.

Anpfiff ist um 15.30 Uhr, live auf ProSieben und im Dyn-Stream. Wer genau hinsieht, erkennt heute mehr als nur Tore: Er erkennt, welche Formationen Gislason im Kopf hat, wenn es im Januar 2027 ernst wird. Und er erkennt, ob die Euphorie der EM nur ein Sommerloch war oder ein echter Aufbruch.

Die Zahl, die bleibt: 41 Tore schoss Deutschland am Mittwoch – und kassierte 38. Eine Sieg-Margin, die vor allem eins offenbart: Die Abwehr schläft, wenn die Gegner sprinten. Gegen Ägypten Nr. 2 darf das nicht passieren, sonst wird der Sieg zur Farce und die WM-Vorbereitung zur Achterbahn. Der Countdown läuft – mit oder ohne Gislason.