Bayern jagt müllers phantom: 101 tore fallen bald

Der Rekord von 1972 zittert. 101 Buden – aufgestellt von Gerd Müller und Co. – stehen seit Samstag bei 97. Der FC Bayern wird sie überbieten, spätestens an einem der letzten sieben Spieltage. Sportdirektor Christoph Freund sagt es offen: „Der Rekord wird fallen. Das ist etwas Historisches.“

Torhunger statt meisterkampf

Die Liga ist gelaufen, neun Punkte Vorsprung. Statt Titeldramatik liefern die Münchner Torunterhaltung. 3,59 Treffer pro Partie – hochgerechnet 122 am Saisonende. Selbst wenn Vincent Kompany rotiert, warten auf die letzten Gegner Mainz, Bochum, St. Pauli & Co. Der Abstiegszone entkommt man nicht mit Catenaccio, sondern mit offenem Visier. Das verspricht Tore.

Die Chancen gegen Union Berlin sprachen Bände: 15 hochkarätige, 4:0. Serge Gnabry markierte das 97. Saisongoal. Leon Draisaitl, Eishockey-Superstar und Kölner FC-Fan, saß dabei. „Macht Spaß, euch zuzuschauen“, rief er Max Eberl zu. Der Kanadier vermisst seine Edmonton Oilers wegen einer Verletzung, lauscht in München den Medizinern – und kriegt nebenbei Fußball-Geschichtsstunden serviert.

Wer schießt das 101.?

Wer schießt das 101.?

1972 war es Uli Hoeneß, der das 100. erzielte. 2020 verpasste Thomas Müller in Wolfsburg in der 79. Minute das 101. – blieb bei 100. Wer trägt nun die 101 ins neue Jahrtausend? Harry Kane führt mit 27 Treffern, doch Luis Díaz und Michael Olise sind heiß. Oder ein Außenseiter wie Mathys Tel? Die Wette läuft intern schon.

Die Spieler selbst spüren den Sog. Joshua Kimmich nennt die 97 Tore nach 27 Spielen „verrückt“. Bislang lag der Bestwert bei 81 – in der Saison 2021/22, ebenfalls Bayern. Die Zahlen explodieren, weil Kompany seine Mannschaft nie runterdrehen lässt. „Die Jungs geben Gas bis zum Schluss“, sagt Freund. Stopp-Taste? Gibt es nicht.

Real madrid und der rest

Real madrid und der rest

Nach dem Länderspiel-Break geht’s nach Freiburg. Drei Tage später folgt das Halbfinale in Madrid. Kompany wird mischen, aber nicht schonen. Die Königlichen warten, doch die Rekordjagd motiviert striker als jede Champions-League-Hymne. Die letzten sieben Gegner haben alle etwas gemeinsam: Sie stehen im unteren Tabellendrittel. Für Bayern ist das kein Spaziergang, sondern ein Schießstand mit Abseitslinie.

Die 101 steht bevor. Dann zählt München nicht mehr Tage, sondern Tore. Gerd Müllers Geist wird applaudieren – und sofort weiterziehen. Rekorde sind dazu da, dass man sie überholt, nicht dass man sie bewacht.