Deutsches tennis versinkt in der wüste: altmaier und struff raus, zverev steht allein

Indian Wells – und schon wieder ein Sonntag voller Scherben. Daniel Altmaier schleppte sich bei 3:6, 0:1 zur Bank, zog das Handtuch übers Gesicht und war weg. Jan-Lennard Struff brauchte 70 Minuten, um sich selbst abzuschießen. Das erste Masters des Jahres ist noch nicht mal richtig erwacht, und Deutschlands Herren sind so gut wie raus aus dem Traum.

Kecmanovic nutzte die sichtbarkeitsschwäche des deutschen spiels

Altmaier, 27, kam als Geheimtipp in die Saison – Platz 44, beste Ausgangsposition seiner Karriere. Was folgte, ist ein Albtraum in sieben Akten: sieben Matches, sieben Niederlagen. Gegen Miomir Kecmanovic, der in Acapulco erst Alexander Zverev aus dem Turnier geworfen hatte, suchte Altmaier nach Lösungen, fand aber nur noch Fragen. Die Rückhand landete im Netz, die Vorhand im Aus, die Körpersprache irgendwo zwischen Wüste und Wand. Beim Aufgeben schüttelte er den Arm – ob Schmerz oder bloß Verzweiflung, blieb offen.

Struff, eigentlich der Puncher aus Warstein, schlug sich mit Zizou Bergs herum, einem Belgier, der im Ranking zwar hinter ihm steht, aber an diesem Abend den küreren Satz spielte. 6:3, 6:4 – die Zahlen wirken knapp, das Gefühl war ein Debakel. Zu viele zweite Aufschläge, zu viele Vorhandfehler aus halblinker Position. Die Saisonbilanz des 34-Jährigen: zwei Siege, fünf Niederlagen. Das Masters-Ticket nach Indian Wells war teuer, die Rückfahrt kommt früher als erwartet.

Zverev trägt nun die last des deutschen tennis allein

Zverev trägt nun die last des deutschen tennis allein

Übrig bleibt Zverev, der in Melbourne noch Halbfinale gespielt hat und nun mit Freilos in die zweite Runde spaziert. Die Frage lautet nicht mehr, ob er das Turnier gewinnen kann, sondern: wie lange hält er durch, wenn hinter ihm die Leere klafft? Die Next-Gen-Diskussion ist längst obsolet, wenn Altmaier und Struff als Nr. 2 und 3 der Nation nicht mal den ersten Hürden standhalten.

Die Wüste Kaliforniens schluckt gern Illusionen. Die deutsche Herrentennis-Equipe lieferte ihr einen neuen Vorrat. Wer jetzt noch von Tie-Break-Drama oder Viertelfinal-Sensationen träumt, muss sich an Zverevs Schultern festhalten – oder warten, bis der Sand von Monte Carlo die nächsten Geschichten schreibt.