Derby della madonnina: inter setzt auf italiens kern, milan auf ausländer

Es ist eine stille Revolution, die sich im Mailänder Derby vollzieht – und sie hat eine Trikolore. Inter Mailand schickt beim Stadtduell vier italienische Stammspieler auf den Rasen: Bastoni, Dimarco, Barella und Esposito. Auf der anderen Seite des Spielfelds? Allegri stellt ein Aufgebot zusammen, das zu hundert Prozent aus ausländischen Spielern besteht. Mit Bartesaghi fraglich für die Bank und Gabbia verletzt bleiben dem Rossoneri-Coach als einzige Azzurri nur noch Terracciano, Pittarella und Ricci – und selbst die dürften kaum Minuten sehen.

Die blöcke haben sich gedreht – und das ist kein zufall

Wer die Geschichte des Mailänder Derbys kennt, weiß: Das war nicht immer so. Vor rund zwanzig Jahren war es der AC Milan, der seinen Kader bewusst mit einem italienischen Kern aufbaute. Inter hingegen setzte damals auf internationale Profile. Die Zahlen aus der Champions-League-Halbfinale 2002/03 sprechen eine klare Sprache: Trainer Cuper schickte fünf Italiener von Beginn an aufs Feld – Toldo, Coco, Materazzi, Cannavaro und Di Biagio. Das Milan von damals bot sogar sechs Azzurri auf: Costacurta, Nesta, Maldini, Gattuso, Brocchi und Inzaghi. Pirlo fehlte im Hinspiel verletzt – und kam im Rückspiel zurück. Den Finaleinzug sicherte sich am Ende Ancelotti.

Zwanzig Jahre später, im Halbfinale 2023, hatte sich das Bild komplett umgekehrt. Inzaghis Inter gewann das Hinspiel 2:0 mit einem Startelf-Block, der demonstrativ trikolore Züge trug: Darmian, Acerbi, Bastoni, Barella, Dimarco. Auf der Bank saßen weitere Italiener. Das Milan jener Nacht? Gabbia und Tonali – das war's im Wesentlichen.

Februar 2016: das gegenbild, das alles erklärt

Februar 2016: das gegenbild, das alles erklärt

Noch drastischer zeigt sich der Wandel, wenn man an den Februar 2016 zurückdenkt. Damals schickte Mancini bei Inter eine Startelf ohne einen einzigen Italiener ins Derby – und verlor 0:3 gegen das Milan von Sinisa Mihajlovic. Auf der Gegenseite standen allein Donnarumma, Abate, Romagnoli, Antonelli, Montolivo, Bonaventura, Balotelli und Bertolacci. Die einzigen Italiener in Inters Kader jenes Abends waren Berni und D'Ambrosio.

Heute ist das Verhältnis exakt umgekehrt. Und der Kontext macht es noch brisanter: Die Serie A verzeichnet in dieser Saison einen Ausländeranteil von 68 Prozent – 367 von 534 Spielern kommen nicht aus Italien. Vor diesem Hintergrund ist Inters bewusste Ausrichtung auf heimische Talente kein sentimentales Relikt, sondern eine klare sportliche Entscheidung. Allegris Milan hingegen spiegelt den Ligadurchschnitt wider – und geht ins Derby ohne einen einzigen Azzurro in der Startelf. Ob das ein Stärkezeichen oder ein Symptom ist, wird der Abend auf dem Rasen entscheiden.