Debora silvestri kämpft weiter: beatmet, aber auf dem weg nach oben

Sanremo – Drei Tage nach dem Horrorsturz auf der Cipressa liegt Debora Silvestri noch auf der Intensivstation. Die 25-Jährige muss weiter künstlich beatmet werden, doch ihre Lunge gewinnt langsam Territorium zurück. „Klinisch auf gutem Weg“, lautet die knappe Lagebeschreibung ihres Teams Laboral-Kutxa Fundacion Euskadi.

Die abfahrt, die alles veränderte

18 Kilometer vor dem Ziel riss Kasia Niewiadoma auf nasser Fahrbahn die Kontrolle über ihr Rad. Silvestri konnte nicht mehr ausweichen, prallte mit rund 60 Stundenkilometern auf die Polin, katapultierte über die Leitplanke und landete auf der unterliegenden Stichstraße. Erste Bilder zeigten sie reglos, Atemlosigkeit im Fahrerfeld. Fünf gebrochene Rippen, eine Schulterfraktur, ein Thoraxtrauma – die Diagnose liest sich wie ein Katalog der Schmerzen.

Doch das schwerste war die Lungenprellung. Die Ärzte im Imperiaer Krankenhaus entschieden sofort für Intubation, um jede Nebenatmung zu kontrollieren. Seitdem schlägt ihr Körper eine konstante Aufwärtskurve, sagt Teammanager Iñaki Echeverría: „Debora reagiert auf Kommandos, die Narkose wird täglich reduziert.“ Noch aber ist Atemtraining angesagt, bevor das Beatmungsgerät ausgeklammert werden kann.

Sie selbst schreibt: „ich komme zurück“

Sie selbst schreibt: „ich komme zurück“

Aus dem Klinikzimmer heraus postierte die Italienerin am Wochenende ein Foto – Daumen hoch, Sauerstoffsonde, verschwommene Augenringe. „Zeit, mich zu erholen. Aber keine Sorge, ich komme zurück“, stand darunter. Die Zeilen bekamen 180 000 Likes innerhalb von vier Stunden. Ihr Verlobter, der Sportdirektor von Laboral-Kutxa, sitzt seit dem Unfall an ihrer Seite; schlafen tut er in einem Nebenzimmer auf einer Trage.

Die UCI hat den Vorfall inzwischen auf ihre Sicherheitsagenda gesetzt. Regen, Tempo 70, keine Schutzräume auf der Cipressa – der Streckenverlauf bleibt umstritten. Rennleiter Fabiana Luperini kündigte an, die Frauen-Variante von Sanremo künftig auf eine trockenere Terminverschiebung zu prüfen. Eine Debatte, die Silvestri selbst wahrscheinlich mit einem Schulterzucken kommentieren würde, wenn sie denn schon atmen könnte ohne Maschine.

Der nächste Medizin-Check entscheidet über das weitere Vorgehen. Die Prognose: weitere fünf bis sieben Tage Klinik, danach zwei Monate Reha. Saison-Aus? Wahrscheinlich. Aber ihre Karriere ist es nicht. Wer Debora kennt, weiß: Sie wird die Cipressa wieder hinauffahren – nur diesmal mit einem anderen Ziel: der Ziellinie statt der Leitplanke.