Das kanarische blut verflüchtigt sich: ud las palmas verliert ihre seele

Einst war die UD Las Palmas das Flaggschiff der eigenen Insel. Jetzt? Neun Kanaren stehen im Kader, nur zwei halten regelmäßig durch: Jesé und Ale García. Die Statistik wirkt wie ein Tritt gegen das Schienbein der Tradition.

2022/23 waren es zwölf Einheimische, vier davon unumstrittene Stammspieler. 2014/15, beim Aufstieg gegen Zaragoza, trugen 19 Gran Canarios das Trikot – acht von ihnen in der Startformation. Die Zahl schreit lauter als jedes Wort: 50 Neuzugänge in vier Jahren, nur sieben aus dem eigenen Nachwuchs. Die Rechnung geht nicht auf, sie spaltet.

Der riss im mannschaftslager

Im Kabinengang riecht man es: Frust. Die Veteranen reden, sie reden laut. Die Transferpolitik kassiert direkte Vorwürfe. Pezzolesi, einziger Hoffnungsträger aus der U21, wird als Alibi-Figur verschenkt. Vier Winterzugänge, darunter Miyashiro als einziger mit Einsatzzeit, verstärken das Gefühl von Planlosigkeit.

Präsident Miguel Ángel Ramírez kennt die Stimmung. Er sitzt auf glühenden Kohlen, denn die Kabine fordert ein Bekenntnis. Luis Helguera, Geschäftsführer Sport, wird zum Prügelknaben. Die Frage ist nicht, ob er handelt – sondern wie lass er sich noch Zeit lässt.

Die tribüne dreht den rücken

Die tribüne dreht den rücken

Die Szene in Éibar ging viral: Spieler verlassen das Hotel, schauen nicht einmal auf. Tausend Kilometer Anhänger, bezahlte Reisen, unbezahlte Enttäuschung. Keine Geste, kein Wink, kein „Gracias“. Die Lücke zwischen Rasen und Rängen wird zur Schlucht.

Die Konsequenz: Wer sich seiner Herkunft entfremdet, verliert auch die, die ihn einst hochjubelten. Die UD Las Palmas droht zur Inselfremden in eigener Stadt zu werden. Der nächste Heimspieltag wird die Stimmung messen – und vielleicht die Richtung vorgeben.