Daryl janmaat packt aus: kokainsucht zerstörte karriere und familie
Daryl Janmaat war einmal der Jubelspieler von St James' Park. Jetzt sitzt der 36-Jährige in einem kleinen Fitnessstudio in Den Haag und erzählt, wie ein Knie und eine Nadel seine Welt zerstörten – und wie er sich selbst dabei zusah.
Im Gespräch mit dem niederländischen Magazin Real Men Don't Cry spricht der ehemalige Außenverteidiger erstmals offen über seine Kokainsucht. „Ich habe gelogen, bis mir die Lügen selbst schlecht wurden“, sagt er. „Dann war plötzlich nichts mehr da: kein Vertrag, keine Frau, keine Struktur.“
Ein einziger einstich ins knie reichte
Es begann mit einer harmlosen Spritze. Nach einer Meniskus-OP im Frühjahr 2022 bekam Janmaat zur Schmerzlinderung ein Kortisonpräparat injiziert – von einem nicht lizenzierten Therapeuten. Die Spritze war nicht steril. Das Gelenk entzündete sich, das Knie schwoll auf fast doppelte Größe an. „Ich sah aus wie ein Roboter, der Öl verloren hat“, sagt er. „Aber das war nur der Anfang.“
Die Folge: ein zweites, drittes, viertes Mal unters Messer. Keine Besserung. ADO Den Haag löste den Vertrag. Mit 32 war Schluss – und das ohne Abschiedsvideo, ohne Standing Ovation. „Plötzlich war ich Profi ohne Profi-Alltag. Das ist wie, wenn man jemandem die Luft abschnürt und dann fragt, warum er nicht atmen kann.“

Statt training dunkeldeals in utrecht
Ohne Klub, ohne Tagesplan, ohne Dopingkontrolleure, die ihm früher buchstäblich ins Badezimmer folgten. In dieser Leere entdeckte Janmaat die Droge, die er zuvor nur aus Erzählungen kannte. „Coke war überall in meiner Bubble“, sagt er. „Plötzlich war sie auch auf meinem Wohnzimmertisch.“
Er lügte Freunde an, erfand Reha-Termine, die es nie gab, und schob die Schuld für sein Desinteresse an der Familie auf „Reha-Bedingungen“. Seine Frau Yoshi durchschaute ihn. „Sie fand Streckenkarten in meiner Jacke. Keine Zugfahrten, sondern Dealer-Touren. Utrecht, Amsterdam, Rotterdam – immer 200 Euro bar, immer kurz vor Mitternacht.“

„Ich dachte, sportler sind immun“
Janmaat brach 2022 mit dem Rücktritt die Scham ab. Er begann eine ambulante Therapie, baute in Den Haag ein kleines Studio auf und trainiert heute Jugendliche, denen er ein einziges mitgibt: „Fragt nach Hilfe, bevor ihr euch selbst fragt, warum niemand mehr fragt.“
Mit Yoshi verhandelt er noch immer über ein gemeinsames Sorgerecht. Offiziell sind sie verheiratet, getrennt leben sie seit 18 Monaten. „Ich habe drei Kinder, die Google nicht ausschalten können“, sagt er. „Wenn sie ihren Namen eingeben, finden sie Bilder von Toren – und jetzt auch dieses Interview. Ich will, dass sie lesen: Papa hat nicht aufgehört zu kämpfen, nur weil er aufhörte, zu laufen.“
Der ehemalige Oranje-International bestreitet, dass seine Süchtigkeit sein einstiges Niveau entschuldigt. „Ich war kein Opfer, ich war Täter an mir selbst.“ Dennoch: Die Statistik der FIFA zeigt, dass 23 Prozent der Profis nach Karriereende psychologische Betreuung erhalten. Janmaat war nicht dabei. „Wir Jungs reden über Taktik, nicht über Tränen. Das muss sich ändern, sonst wird die nächste Nadel nicht im Knie, sondern im Arm landen.“
Heute steht er um 5:30 Uhr auf, macht Kaffee für seine Kunden und verbietet sich selbst jede Selbstmitleids-Routine. „Wer denkt, Sport wäre nur Fitness, hat die zweite Halbzeit noch nicht gesehen.“
