Darts: alkohol, nervosität und der neue profitypus
Die Welt des Darts hat sich grundlegend gewandelt. Was einst als Kneipensport mit Bier in der Hand galt, ist heute ein professioneller Sport mit Tausenden Fans und Millionen Preisgeldern. Doch hinter den Kulissen brodelt es immer noch: Spielt Alkohol eine Rolle im modernen Darts?
Die britische tradition und ihre schattenseiten
Die Wurzeln des Dartsports liegen unbestreitbar in den traditionellen Pubs Großbritanniens. In den 1990er-Jahren war es noch keine Seltenheit, Spitzenspieler mit einem Bier am Board zu sehen – ein Bild, das eng mit Alkoholkonsum verbunden war. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Szene hat sich professionalisiert. Die Spieler sind fitter, die Turniere größer und die Erwartungen höher.
Der ehemalige Weltmeister Dennis Priestley, der selbst am eigenen Leib erfahren hat, wie man mit Alkohol die Nervosität zügeln kann, hält jedoch an seiner Meinung fest: „Es beruhigt einfach die Nerven. Man muss einfach genau wissen, wie viel man braucht, um die Nerven zu behalten.“ Priestley schilderte sogar, dass Spieler früher ganze Flaschen Jack Daniel’s konsumierten – ein Geständnis, das die Debatte um den Alkoholkonsum im Dartsport neu entfacht.

Die neue generation: fitness statt flasche
Aktuelle Profis weisen die Anschuldigungen entschieden zurück. Der moderne Dartsport wird von einer neuen Generation von Athleten geprägt, die Fitness und Disziplin in den Vordergrund stellen. Namen wie Luke Humphries, Gian van Veen und Gerwyn Price verkörpern diesen Wandel. Price, der ehemalige Rugbyspieler, wirkt eher wie ein Bodybuilder als das Klischee eines Dartspielers.
Der internationale Turnierkalender ist deutlich voller als noch vor einigen Jahrzehnten. Lange Reisen zu Veranstaltungen in Nordamerika, Australien oder Asien fordern ihren Tribut. Die Leistungsdichte an der Weltspitze ist enorm gestiegen – wer dauerhaft mit den Besten mithalten will, benötigt auch die körperlichen Voraussetzungen, um diesen Belastungen standzuhalten. Matthew Porter, Geschäftsführer der Professional Darts Corporation (PDC), sieht aktuell keinen Anlass für strengere Kontrollen: „Es ist nichts, was außer Kontrolle geraten ist.“
Der Vergleich mit Harry Kane, der bei Bayern München ebenfalls ein Bier trinken könnte, bevor er auf dem Platz steht, unterstreicht die lockere Haltung der PDC. Doch die Zeiten ändern sich. Der Dartsport hat einen Imagewechsel vollzogen.
Die Zahl der Zuschauer steigt, die Aufmerksamkeit der Medien wächst – und damit auch der Druck auf die Spieler. Die Frage ist, ob die traditionellen Methoden der Nervenberuhigung in dieser neuen Ära noch ihren Platz haben oder ob die junge Generation den Weg für einen komplett alkoholfreien Dartsport ebnet. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Szene weiterentwickelt. Eines ist jedoch klar: Der Dartsport hat sich von einem Kneipensport zu einer globalen Sportart gewandelt – und die alten Gewohnheiten müssen sich neuen Herausforderungen stellen.
