Darmstadt wirft trotz talfahrt die flinte nicht ins korn

Die Lilien taumeln, aber sie fallen nicht. Nach dem ersten Heim-Dämpfer der Saison und zwei Pleiten in Folge glaubt selbst der Außenstehende, der Aufstiegszug sei abgefahren. Fabian Nürnberger lacht darüber – nicht aus Übermut, sondern aus Prinzip. „Fünf Spiele, fünf Siege – fertig gerechnet“, sagt er und zuckt mit den Schultern, als hätte er gerade nur das Wetter kommentiert.

Stimmung trotz rückschlag auf betriebstemperatur

Der 0:2-Schock gegen Hannover war mehr als eine Niederlage. Es war das Ende der fast mythischen Merck-Stadion-Serie, ein Schlag in die Magengrube mitten in der entscheidenden Phase. Doch wer am Mittwoch auf dem Trainingsplatz stand, sah keine Trauerbande. 30 Minuten Gewichtszimmer, 50 Minuten Rasen, dann Freigang bei strahlendem Sonnenschein. Florian Kohfeldt pfiff seine Spieler nach einer lockeren Einheit nach Hause – kein Extra-Programm, keine Predigt. Die Botschaft: Kopf hoch, Beine noch schneller.

Die Tabelle spricht zwar gegen Darmstadt, aber sie schreit nicht. Als Fünfter liegen die Südhessen sieben Zähler hinter dem direkten Aufstiegsplatz, drei hinter Hannover. Die Statistik lacht nicht mit ihnen, sie lacht über sie: Kein Auswärtssieg seit dem 8. November 2025. Doch Statistiken sind keine Wetterberichte, sie sind Arbeitsblätter – und die kann man korrigieren.

Fürth wird zur schicksalsstation

Fürth wird zur schicksalsstation

Am Sonntag (13.30 Uhr) geht’s nach Fürth. Liga-Vorletzter, Abstiegskampf, erbittert. Perfekt, findet Nürnberger. „Beide brauchen jeden Punkt, beide haben nichts zu verschenken. Das wird ein Kampf bis zur letzten Sekunde.“ Und genau darin liegt die Chance. Darmstadt hat die Erfahrung, hat die bessere Individualqualität – und plötzlich auch den Druck des Underdogs. Die Rolle passt, wie ein gebrochener Reißverschluss: Sie hält, wenn man sich bewegt.

Die Franken werden ihre Fans mobilisieren, das Stadion wird kochen. Aber hitzige Kulissen kennt der SV98. In dieser Saison haben sie bereits in Kiel, in Rostock und in Paderborn gewonnen – nur eben nicht seit 160 Tagen. „Deshalb wird es Zeit, dass wir wieder zuschlagen“, sagt Nürnberger. Keine großen Worte, keine Versprechen. Eine Feststellung, trocken und ehrlich.

Die Meisterschaft ist nicht verloren, sie ist nur eng geworden. Die Lilien haben den Aufstieg noch nicht abgehakt – sie haben ihn nur eben nicht mehr selbst in der Hand. Manchmal ist das befreiend. Wer nichts mehr zu verlieren hat, darf alles gewinnen.