Cyber-mobbing gegen superstar quan: china wehrt sich mit polizei
Die chinesische Schwimmföderation hat die Handschellen ausgepackt. Nach Wochen, in denen Olympia-Triple-Gewinnerin Quan Hongchan im Netz als „fett“ beschimpft wurde, erstattete das Trainingszentrum von Guangdong Strafanzeige – und das nationale Schwimmverband droht mit Null-Toleranz.
„Jeden tag nannten sie mich fett – und ich hungerte schon“
Die 19-jährige Sprung-Bogenschützin hatte in einem Interview offenbart, dass sie nach Paris 2024 monatelang mit Abmagerungs-Druck und Angstzuständen kämpfte. Bewegungen, die früher selbstverständlich waren, lösten Albträume aus: sich von zehn Metern in die Tiefe stürzen und dabei versagen. Die Kommentare auf Weibo und Douyin schwappten über: „Zu schwer für die Turmspitze“, „Versteck die Pommes“. Ein Shitstorm, der sich buchstäblich auf Körpergewicht herunterbrach.
Die Föderation reagierte, nachdem interne Screenings mehr als 12.000 verdächtige Posts gezählt hatten. Laut Mitteilung geht es um gezielte Falschbehauptungen, körperverletzende Hassrede und manipulierte Bilder, die Quans Ruf und damit die Markenwertigkeit des Nationalteams schädigen sollen. Die Cyber-Polizei nimmt die IP-Adressen der Verdächtigen ins Visier – erste Hausbesuche wurden bereits gemeldet.

Vom fanclub zur falle: chinas sportler werden zur zielscheibe
Das Phänomen hat System. Tischtennis-Weltmeister Fan Zhendong musste seinen offiziellen Fanclub auflösen, weil „Datais“ – jene obsessiven Online-Anhänger – ihm Trainingspäfte, Flugdaten und Liebesleben ausspionierten. Beim Tennis meldete Spanierin Marina Bassols kürzlich Morddrohungen nach einer Niederlage; die WTA untersucht 30 ähnliche Fälle allein in diesem Quartal. Die chinesische Sportministerie zog Konsequenzen: Plattformen wie WeChat und TikTok müssen kritische Kommentare binnen 60 Minuten löschen, sonst drohen Bußgelder von umgerechnet 1,5 Mio. Euro.
Für Quan Hongchan kommt der Einschnitt spät, aber knallhart. Ihr Trainer He Qiming erklärte, man werde die Athletin nun von öffentlichen Social-Media-Auftritten „kapseln“, bis das Justizverfahren läuft. Interne Psychologen haben Einzelbetreuung angeordnet – ein Novum für eine Disziplin, die bislang mit Eisbad und Visualization arbeitete. Die Sportschule von Guangdong plant zudem, Juratraining in den Lehrplan aufzunehmen: „Wir wollen nicht nur perfekte Sprünge, sondern auch lautstarke Rechtsvertreter“, sagt Qiming halb scherzend.
Die Botschaft ist klar: China, sonst verschwiegen im Umgang mit Interna, schaltet auf Angriff. Die Olympiasiegerin von Tokio und Paris soll wieder frei atmen – und von der 10-Meter-Plattform hinabsegeln, ohne das Gespenst der Kommentarspalten im Nacken. Die nächsten Weltcups in Berlin und Montreal gelten als Stresstest. Sollte Quan dort landen, wo sie hingehört – auf dem obersten Treppchen –, wäre das mehr als Gold. Es wäre ein Sieg gegen digitale Gewalt.
