Curacao wirft rutten raus – advocaat (78) kehrt zurück und trifft sofort auf deutschland
31 Tage vor dem ersten WM-Pfiff hat Curacaos Fußball-Erstaufmarsch einen Beinahe-Crash landen: Fred Rutten ist weg, die Spieler feiern seinen Vorgänger Dick Advocaat – und Deutschland trifft am 14. Juni in Houston auf einen 78-Jährigen, der alles andere als ein Lustwandel-Ausflug plant.
Spieler putschten, rutten zog notbremse
Die Kapitänsbinde als Faustpfand: Mehrere Leistungsträger hatten sich öffentlich und hinter vorgehaltener Hand für die Rückkehr von Dick Advocaat starkgemacht. Sponsoren schalteten sich ein, die Kabine drohte zu kippen. Rutten erkannte die Machtverhältnisse, verzichtete auf einen Machtkampf und verabschiedete sich nach gerade mal zwei Länderspielen mit einem trockenen „Ich wünsche allen nur das Beste“. Der Verband bestätigte den Rücktritt am späten Sonntagabend, eine Stunde später kursierte schon das Gerücht, dass die Pressekonferenz für Dienstag eigentlich eine Begrüßungsfeier wird.
Die Zahlen sprechen Bände: Unter Advocaat holte Curacao 13 Punkte aus den letzten fünf Quali-Spielen, unter Rutten nur eines aus zwei Testländerspielen. Die Spieler vermissen weniger die Taktik – sie vermissen den Mann, der sie von Außenseitern zu WM-Teilnehmern verwandelte.

Advocaat kehrt zurück – mit 78 jahren rekordtrainer
Die Tochter genesen, der Vater wieder bereit: Advocaat hat grünes Licht gegeben, seine Frau schließt die Koffer. Mit 78 Jahren würde er Otto Rehhagel als ältesten WM-Coach ablösen – und das mit einer Mission. „Wir wollen nicht nur dabei sein, wir wollen punkten“, ließ er schon durchschimmern. Die Mannschaft kennt seine Sprüche, seine 3-4-1-2-Ordnung, seine Liebe zu druckvollen Außenverteidigern. Zurück zur Zukunft also.
Deutschland ahnt, was kommt: ein Gegner, der sich selbst als Außenseiter feiert, aber in der Lage ist, mit schnellen Umschaltmomenten für Schrecken zu sorgen. Die DFB-Analysten haben Advocaats letzte Curacao-Spiele bereits durchdekliniert; nun müssen sie die neue-oldschool-Version binnen zehn Tagen neu einordnen.
Termindruck pur: Am 14. Juni in Houston, 19 Uhr Ortszeit, steht Curacao zum ersten Mal auf einem WM-Rasen. Die Insel trägt sich seit 48 Stunden im Ausnahmezustand, die Trikots mit dem flamingoblauen Streifen sind bereits ausverkauft. Wer jetzt noch einen Platz im Fan-Dorf will, zahlt dreifache Preise. Die Nation träumt, Deutschland soll der erste Schritt sein.
Die Ironie: Ausgerechnet der älteste Trainer aller Zeiten soll einem jungen deutschen Kader die Grenzen aufzeigen. Wenn das keine Geschichte ist, die sich lohnt.
