Cuisance darf wieder, leitl muss umdenken: brekalos düsseldorf-coup wirft hertha um
Michael Cuisance sitzt am Samstag in Dresden nicht mehr in der Kabine, sondern auf dem Platz – und genau das macht Stefan Leitl das Leben schwer. Die Gelbsperre des Franzosen ist abgesessen, doch die Frage lautet nicht länger „Wann kehrt er zurück?“, sondern „Passt er überhaupt noch in diese Mannschaft?“
Brekalo entzaubert cuisances alleinstellungsmerkmal
9. März, ESPRIT arena, 5:2 gegen Fortuna Düsseldorf. Josip Brekalo läuft nicht auf dem Flügel, sondern als explose Zehner. Er trifft, leitet zwei Treffer ein, sucht die Tiefe statt den Haken. Die Kollegen jubeln, Tjark Ernst lacht: „Wir wussten, dass er zwischen die Linien kriecht wie ein Matrose, der die Schleusen kennt.“ Cuisance? Draußen. Er kriegt die Szene nur mit, die seine Szene ist.
Die Statistik lügt nicht: In 22 Ligaspielen zwei Tore, fünf Assists – das ist kein Befund, das ist eine Ansage an den Sportdirektor. Cuisance bedient sich gern mit Häkchen und Rollstufen, aber Selbstzweifel rollt sich selten aus. Brekalo dagegen spielt wie ein Mann, der weiß, dass der nächste Pass der letzte sein könnte. Gerade, schnörkellos, effizient.

Winklers entwicklungssprung macht das rätsel komplexer
Marten Winkler, 22, Uhrmacher-Sohn aus Spandau, donnerte gegen Düsseldorf das 4:1 aus 22 Metern in den Winkel. Sein dritter Saisontreffer, seine achte Vorlage – Zahlen, die Cuisance nicht erreicht. Winkler ist Herthas Schnellster (34,9 km/h), Brekalo der torgefährlichste Flügelspieler der Rückrunde. Wer soll da raus?
Stefan Leitl schwört auf Konkurrenz, aber er hasst Rotation um der Rotation willen. Gegen Dresden droht ein Schach-Problem: Cuisance auf der Zehn bedeutet Brekalo links, Winkler Bank. Brekalo zentral bedeutet Cuisance Bank – und ein Eingeständnis: Der Münchner Leihgeburt war nie unantastbar, nur unalternativ.
Die Kabine schweigt laut. Fabian Reese sagt höflich: „Micka ist ein Kumpel.“ Aber er sagt auch: „Mit Josip klappt’s einfach.“ Zwischen den Zeilen: Mit Cuisance klappte es selten. Die Sperre war ein Blick in die Zukunft – und die gefällt einigen besser als die Vergangenheit.
Am Sonnabend in Dresden wird nicht nur drei Punkte verteilt, sondern ein Machtverhältnis. Leitl kann Cuisance reinwerfen und riskieren, dass der Rhythmus bricht. Oder er lässt ihn draußen und bestätigt das, was sich schon in Düsseldorf andeutete: Dass Cuisances Zeit nicht unbegrenzt ist. Der Franzose darf wieder – die Frage ist, ob er noch darf.
