Cremonese schmeißt vardy raus: djuric soll das 3-5-2 beerdigen

14 Spiele sieglos, ein Engländer auf der Bank und ein Bosnier als letzte Hoffnung: In Torre Boldone trainiert Cremonese für das Spiel seines Lebens.

Nicola setzt auf djuric-bonazzoli und fragt: 4-4-2 statt 3-5-2?

Nicola setzt auf djuric-bonazzoli und fragt: 4-4-2 statt 3-5-2?

Die Luft im Kabinentrakt von Torre Boldone ist dick. Wer hereinkommt, spürt sofort: Hier steht mehr auf dem Spiel als drei Punkte. Davide Nicola hat seine Mannschaft ins Bergamasker Exil geschickt, dort wo einst der FC Bayern die Atalanta-Außenseiterrolle probt. Jetzt probt Cremonese den Aufstand gegen die eigene Saison.

Die Wahl des Ortes ist kein Zufall. Die Geschäftsführung wollte ein Signal, kein Kuschelkurs. Wer seit 14 Partien nicht gewonnen hat, dem wird das Smartphone weggenommen und der Spielfreude der Neuanfang aufgezwungen. Gegen Florenz muss ein Sieg her, sonst wird der Abstieg zur Gewissheit.

Die erste personelle Konsequenz traf Jamie Vardy. Der 39-jährige Premier-League-Held sitzt gegen die Viola vermutlich nur noch in der Kabine. Sein Zyklus ist durch, die Doppelpack-Bologna-Euphorie längst verpufft. An seine Stelle rückt Milan Djuric, der Bosnier, der gegen Lecce mit langen Bällen und Kopfballablagern die schönste Cremonese der Rückrunde zeigte. Einfachheit als Überlebensformel.

Doch Nicola plant nicht nur einen Sturmtausch, er plant eine Systemrevolution. Die 3-5-2-Orthodoxie, jahrelang das Markenzeichen der Grigiorossi, droht zu fallen. Trainiert wird parallel das 4-4-2, mit Okereke auf linksaußen statt als zweite Spitze. Der Nigerianer ist kein Flügelspieler im klassischen Sinn, aber er ist schneller als Moumbagna, der aus dem Kader flog. Die Umstellung erfordert neue Balance, aber sie erhöht die Offensivlast.

Im Zentrum bleiben Maleh und Thorsby unantastbar. Pezzellas Sperre zwingt Nicola, Zerbin und Barbieri auf die Außen zu setzen. Hinten fehlt Baschirotto weiterhin, Terracciano kehrt zurück und soll die rechte Abwehrseite kitten. Es sind kleine Puzzlestücke in einem großen Notplan.

Die Frage ist nicht mehr, ob Cremonese mutig spielt. Die Frage ist, ob sie überhaupt noch spielt. Ein Punkt aus 14 Spielen – das ist kein Formtief, das ist ein freier Fall. Wer gegen Florenz nicht gewinnt, der kann die Koffer packen. Nicola hat die Wahl: Er kann mit Djuric und Bonazzoli das 4-4-2 wagen und die Saison neu erfinden. Oder er vertraut dem alten 3-5-2 und begräbt sich damit selbst.

In Torre Boldone tickt die Uhr. Montagabend ist Endspiel. Dann entscheidet sich, ob Vardy doch noch einmal ran darf – oder ob Djuric zum Retter wird und das System mit ihm. Die Antwort liegt in den Kopfballduellen von Milan Djuric und in den Nerven eines Teams, das endlich wieder gewinnen muss. Sonst wird der Ritiro zum Abgesang.