Copa del rey: wiederholtes beben durch nationalhymne
Die Stimmung im Estadio Santiago Bernabéu war alles andere als friedlich, als die spanische Nationalhymne erklang. Ein Déjà-vu für viele Beobachter, denn auch vor einem Jahr sorgte die Darbietung der Hymne bei der Copa del Rey Final für hitzige Diskussionen – damals zwischen Real Madrid und Barcelona, heute zwischen Atlético Madrid und Real Sociedad. Ein politisches Beben inmitten des sportlichen Geschehens.

Die reaktionen im stadion: ein spiegel der gesellschaft
Während die Anhänger von Atlético Madrid die Hymne mit Begeisterung sangen und bejubelten, herrschte im Block der Real Sociedad-Fans deutlich anderer Ton. Pfiffe und Buhrufe überschlugen sich, ein Zeichen der politischen Spannungen, die in Spanien allgegenwärtig sind. Die Szene spielte sich vor den Augen von König Felipe VI ab, der die Finalpartie wie üblich im königlichen Anblick verfolgte, begleitet von hochrangigen Regierungsvertretern, dem Präsidenten des spanischen Fußballverbands, Rafael Louzán, sowie den Vereinsbossen Enrique Cerezo (Atlético) und Jokin Aperribay (Real Sociedad).
Lo que niemand erzählt ist die Vorgeschichte: Nur wenige Tage vor dem Finale hatte Arnaldo Otegi, der Anführer der baskischen politischen Bewegung EH Bildu, eine deutliche Ansage gemacht. Er forderte seine Anhänger auf, das Stadion mit Ikurriñas, den baskischen Flaggen, zu füllen und ihre Lieder zu singen. Otegi betonte seine republikanischen Überzeugungen, gestand aber gleichzeitig an, dass er in einem Staat lebe, der von den Spaniern als Monarchie gewählt wurde. Diese Worte dürften die Stimmung im Stadion zusätzlich angeheizt haben.
Die Fakten sprechen für sich: Die Reaktionen der Fans spiegeln die tiefe politische Spaltung wider, die das Land prägt. Die Copa del Rey Final wurde so zu einem zusätzlichen Brennpunkt für die Debatte über Nationalstaat, Regionalismus und die Rolle der Monarchie in Spanien. Es ist ein Zustand, der sich hartnäckig hält und immer wieder für hitzige Kontroversen sorgt. Die sportliche Leistung tritt dabei oft in den Hintergrund.
Die Führer der Vereine, Cerezo und Aperribay, vermieden jede Äußerung zu den politischen Untertönen. Sie konzentrierten sich auf die sportliche Bedeutung des Finales, doch die Ereignisse im Stadion ließen keinen Zweifel daran, dass die Copa del Rey mehr ist als nur ein Fußballspiel. Es ist ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Zerrissenheit Spaniens, das sich auch in der Sportwelt manifestiert.
