Como: vom keller zum champions-league-traum – ein italienisches fußballwunder mit fragezeichen
Como – der Name hallt jetzt in ganz Europa wider. Nur wenige wussten vor zwei Jahren noch, wo Como überhaupt liegt. Doch der Aufsteiger der Serie A hat nicht nur Juventus und Milan in die Schranken verwiesen, sondern sich auch erstmals in der Geschichte des Vereins für die UEFA Champions League qualifiziert. Ein Märchen? Ja, zweifellos. Aber auch ein Projekt, das im italienischen Fußball viele Fragen aufwirft.
Die geschichte eines aufstiegs – von der bar zum europäischen pokal
Cesc Fàbregas, heute Trainer des Vereins, erinnert sich noch gut an die bescheidenen Anfänge. „Als ich vor vier Jahren hier ankam, haben wir uns noch in einer Bar umgezogen!“, lachte er kürzlich. „Es gab kein ordentliches Trainingszentrum, wir wussten oft gar nicht, wo wir trainieren sollten.“ Diese Zeiten scheinen weit hinter dem Verein zurückzuliegen. Der Aufstieg in die Serie A vor zwei Jahren war bereits eine Sensation, doch die Qualifikation für die Champions League ist der absolute Höhepunkt.
Doch der Jubel wird von kritischen Stimmen gedämpft. Während die Welt von Comos Erfolg staunt, wird in Italien über die Art und Weise des Aufstiegs diskutiert. Die Frage ist nicht, ob Como eine gute Mannschaft hat – die Zahlen sprechen für sich. 65 Tore in der Serie A-Saison, die zweitbeste Offensive des Landes, und nur 29 Gegentreffer – eine Abwehr, die ihresgleichen sucht. Fabio Capello, italienische Fußballlegende, lobte das Spiel von Como: „Sie spielen Ballbesitzfußball, aber mit vertikalen Läufen. Die Bewegung stimmt, alle laufen und helfen sich gegenseitig.“

Der preis des erfolgs: millioneninvestitionen und eine ungewöhnliche mannschaftszusammensetzung
Doch dieser Erfolg hat seinen Preis. Rund 220 Millionen Euro wurden in den vergangenen zwei Jahren in den Verein investiert – eine Summe, die für viele italienische Klubs undenkbar ist. Die Djarum-Holding, ein indonesisches Unternehmen, steht hinter diesen Investitionen. Diese finanziellen Mittel ermöglichten es Como, namhafte Spieler wie Fàbregas, Álvaro Morata und Sergi Roberto zu verpflichten, sowie vielversprechende Talente wie Nico Paz und Jesús Rodríguez anzuwerben.
Das Problem: Von den 25 Spielern im Kader sind nur drei Italiener. Alberto Ceri, Lorenzo Bonsignori und Edoardo Goldaniga kommen in der gesamten Saison auf lediglich 122 Einsatzminuten. In einem Land, das sich von der WM-Qualifikation abgehängt hat, sorgt dies für Unmut. Sportdirektor Carlalberto Ludi verteidigt die Kaderzusammensetzung: „Wir lassen nur Ausländer spielen – das ist ein Vorwurf, den ich nicht nachvollziehen kann.“

Ein plan für die zukunft – aber wird er umgesetzt?
Ludi betonte, dass Como einen „extrem präzisen Rekrutierungsprozess“ habe, der auf Algorithmen und Datenanalyse basiert. „Wir wollen, dass die erste Mannschaft eines Tages italienisch ist und perfekt unseren Spielprinzipien entspricht. Heute stehen wir erst am Anfang dieses langen Prozesses“, so Ludi. Eine Aussage, die wenig Hoffnung auf eine baldige Veränderung lässt. Der Fokus liegt weiterhin auf internationaler Expertise und nicht auf der Förderung lokaler Talente.
Como steht vor einem Dilemma. Einerseits feiert man den sportlichen Erfolg und die Qualifikation für die Champions League. Andererseits wird das Projekt Como im eigenen Land kritisch beäugt, als Symbol für die zunehmende Internationalisierung des italienischen Fußballs und die Vernachlässigung der eigenen Jugend. Ob Como diesen Spagat meistern kann, wird die Zukunft zeigen. Die lombardische Mannschaft hat bewiesen, dass mit Geld und einer klaren Strategie große Erfolge möglich sind. Doch der wahre Test wird darin bestehen, sich in einer immer komplexeren Fußballwelt zu behaupten und gleichzeitig die Identität und das Herz des italienischen Fußballs zu bewahren.
