Clemente zerrt athletic-kanibalen-philosophie auseinander: 'betrug mit baskischem etikett'
Javier Clemente schlägt mit offener Hand zu. Der Trainer, der 1983 und 1984 mit Athletic Bilbao Meister wurde, nennt im Interview mit der Cadena SER das, was in Bilbao seit Jahren passiert, beim Namen: organisierte Täuschung. 'Man holt Jungs mit 16 von Casa Cristo, steckt sie drei Monate in einen Dorfklub und verkauft sie als eigene Krönung. Das ist Lüge, nichts weiter', sagt der 76-Jährige und spuckt fast ins Mikro.
'Tricksen, lügen, ergegebnisse schönfärben'
Die Legende, dass Athletic nur 'zu Hause' kauft, hält er für längst zerbrochen. 'Sie holen massenhat Außenseiter, biegen die Regeln und labern dann vom baskischen DNA. Vergiss es.' Clemente erinnert sich an eine Zeit, in der wirklich alle aus dem gleichen Viertel stammten. 'Wir kannten uns vom Dreizehnten an, da brauchte niemand ein Etikett anzukleben. Heute klebt man eins drauf und hofft, dass keiner hinsieht.'
Sein Vorwurf: Die Vereinsführung um Präsident Jon Uriarte habe die eigene Fanbasis systematisch hinters Licht geführt. 'Man sagt: Wir haben drei Basken. Die Wahrheit: Wir haben drei Spanier, die zwei Monate in Santurtzi gespielt haben. Das ist nicht mehr Athletic, das ist Marketing.' Die Folge: 'Das Stadion wird unruhig, die Spieler kennen sich nicht, die Seele verflüchtigt sich.'

Nostalgie als weckruf: 'früher waren wir etwas anderes'
Clemente will nicht nur meckern, er will die Uhr zurückdrehen. 'Ich bin nicht gegen ausländische Talente. Aber sagt es offen: Wir kaufen, weil wir Resultate wollen. Lügt nicht rum mit Heimatmärchen.' Der Mann aus Baracaldo sieht Bilbao auf dem Weg zu einem 'normalen' Klub, der nur noch Tabellenplätze zählt. 'Früher war das Ambiente exklusiv, jetzt ist es austauschbar. Wenn wir Tricks brauchen, haben wir verloren.'
Und er liefert die Zahl, die wehtut: 'Von den letzten fünf Debütanten im Profikader stammen genau null aus Lezama. Null.' Damit ist die Debatte für ihn erledigt. 'Wer die Identität nicht kennt, verliert sie. Athletic verliert sie gerade. Und wenn wir so weitermachen, brauchen wir irgendwann gar keine Philosophie mehr – weil sowieso keiner mehr daran glaubt.'
