Cicinho: vom alkohol-abgrund zum pfarrer?
Ein Leben zwischen Fußball-Glanz und Alkohol-Abhängigkeit – der ehemalige brasilianische Nationalspieler Cicinho hat eine erschütternde Geschichte zu erzählen. Von den großen Stadien Europas bis hin zu den tiefsten Abgründen der Sucht, sein Weg ist geprägt von Höhenflügen und schmerzhaften Fehltritten. Nun blickt er zurück und spricht offen über seine Vergangenheit, die ihn fast zerstört hätte.
Die frühen jahre: eine gefährliche abhängigkeit
Schon mit 13 Jahren begann Cicinhos Geschichte mit dem Alkohol. Eine erste Bierprobe entwickelte sich zu einer unstillbaren Sucht, die sein Leben immer stärker kontrollierte. „Ich verliebte mich in das Bier, wie in eine Frau“, gesteht er in einem Interview mit La Gazzetta dello Sport. Als er bei Botafogo Rio de Janeiro spielte, konsumierte er täglich 20 Biere und 10 Caipirinhas – ein erschreckender Beweis für den Ausmaß seiner Abhängigkeit. Dazu kamen, ab seinem 17. Lebensjahr, auch Zigaretten. Ein Teufelskreis, der ihn in eine gefährliche Spirale zog.

Madrid: der traum und die eskapaden
Der Wechsel zum Real Madrid im Jahr 2005 sollte der Höhepunkt seiner Karriere werden. Doch statt sich auf den Sport zu konzentrieren, ließ Cicinho sich von der vermeintlichen Freiheit und dem Reichtum blenden. „Ich dachte: ‚Perfekt, jetzt kann ich feiern, was ich will‘“, erinnert er sich. Er kaufte Autos, Kleidung und veranstaltete regelmäßige Partys in seiner Villa. Die Paparazzi machten ihm das Leben schwer, sodass er seine Eskapaden meist zu Hause mit Freunden veranstaltete. Ein Trainingsbeginn um 8 Uhr morgens nach einer durchzechten Nacht mit mehreren Kaffeetassen und einem ganzen Schachtel Zigaretten, um den Alkoholgeruch zu überdecken – das war Alltag. Und trotzdem war er auf dem Platz weiterhin ein Leistungsträger. Selbst Trainer Capello ahnte nichts von seinen Problemen.

Rom: der tiefpunkt und der wendepunkt
Auch in Rom, bei der AS Roma, konnte Cicinho seine Sucht nicht in den Griff bekommen. „Ich habe dort einen Rekord aufgestellt: 70 Biere und 15 Caipirinhas an einem Tag, plus zwei Schachteln Zigaretten“, berichtet er. Die Verletzung 2009 führte zu einem Rückfall und schließlich zur Erkenntnis, dass er unter Depressionen litt. Ein Wendepunkt kam, als er seine Frau traf, die ihn in eine Therapie begleitete. „Sie hat mir geholfen, den Sinn des Lebens wiederzuentdecken“, sagt er.
Die Unterstützung seiner Frau und der Glaube an Gott waren entscheidend für seinen Weg aus der Sucht. „Ich glaube fest an Gott. Er hilft dir, dich von dem Bösen zu befreien“, erklärt Cicinho. Nach fast fünfzehn Jahren ohne Alkohol blickt er nun einer ungewöhnlichen Zukunft entgegen: der eines evangelischen Pastors. Seine Geschichte ist ein Mahnmal für die Gefahren der Sucht und ein Beweis dafür, dass ein Neuanfang immer möglich ist.
Cicinhos Weg ist ein eindringlicher Appell an alle jungen Fußballer: Der Ruhm und das Geld dürfen niemals über das eigene Wohlbefinden gestellt werden. Denn am Ende zählt nur das Leben selbst – und die Chance, es in Würde und Freiheit zu leben.
