Christoph glötzner schreibt paralympic-geschichte: erster slalom-durchbruch in cortina
Endlich! Der 22-jährige Christoph Glötzner hat den Fluch gebrochen. Nach Sturz und Ausfall in Peking, nach dem Desaster im Riesenslalom vor zwei Tagen – nun der erste Zieleinlauf seiner Paralympic-Karriere. Platz sieben im Slalom der stehenden Klasse. Keine Medaille, aber ein Ergebnis, das atmet.
Die Tofana-Piste war ein Pulverfass. 20 Zentimeter Neuschnee, Sicht bis zur nächsten Torstange. Das Rennen startete mit einstündiger Verspätung, der zweite Lauf stockte wegen Wolkenfetzen. Perfekte Bedingungen für Außenseiter? „Für mich war jedes Tor ein Kampf gegen die eigene Schatten“, sagt Glötzner. Der Oberpfälzer fuhr mit 6,38 Sekunden Rückstand auf den russischen Goldrennfahrer Alexej Bugajew. Bronze lag 3,20 Sekunden vor ihm – eine Ewigkeit auf 46 Toren, aber enger als je zuvor.

Ein bein, null zurückzieher
Was niemand außer seinem Servicemann sieht: Die Prothese saß nach dem ersten Lauf voller Schnee. Glötzner schlug sich das Bein aus, klopfte Eisklumpen heraus, schraubte die Carbon-Schiene wieder fest – in 90 Sekunden. „Wenn du nur ein Bein hast, ist jede Sekunde Pause Gift für die Balance“, erklärt er. Die Zeit blieb trotzdem unter der magischen 1:35-Marke. Sein Vater stand am Streckenrand und weinte, ohne sich die Skibrille abzunehmen.
Das Gesamtbild ist hart. Von 18 Startern kamen nur zwölf durch. Drei Deutsche schieden aus, einer wegen Materialdefekt. Die internationale Konkurrenz ist längst keine Familienfeier mehr. Die Russen bringen Biomechanik-Coaches mit, die Norweger Laser-probebohrungen für die Kanten. Glötzner trainiert in der Oberpfalz auf einer 300-Meter-Schneekuppel – und trotzdem hängt er dran. Seine nächste Chance: Super-Kombination am Freitag. Dort will er angreifen, sagt er. Keine Ausreden mehr.
Die Medaille fehlt, aber das Grinsen nicht. „Ich bin kein Sprinter, ich bin ein Dauerläufer“, sagt er. Die Paralympics sind kein Happy-End-Fernsehen, sondern ein Kampf gegen die Uhr und gegen die eigene Prothese. Cortina war der erste Schritt. Tokio 2026 steht schon auf dem Zettel. Wer jetzt denkt, Platz sieben sei ein Trostpreis, kennt Christoph Glötzner nicht. Für ihn ist das ein Startschuss – endlich mit Zielankunft.
