Cazorla weint sich aus: oviedo bangt um sein letztes zauber-spiel
Die 24. Mai-Ausgabe des Carlos Tartière war ein einziges Nachspiel aus Tränen und Gesängen. Santi Cazorla trat vor 20.000 Zuschauern an, wusste offenbar genau, dass dies der letzte Tanz sein könnte – und brach dennoch erst nach dem Abpfiff in sich zusammen.
Der 39-Jährige hatte gerade ein 1:1 gegen Alavés mitgeschrieben, als die Kurve einstimmte: „Cazorla, quédate!“ Der Captain vergrub das Gesicht im Trikot, die Kameras der Agentur EFE fingen die feuchten Augen ein. Kein Statement, keine Geste, nur diese unausweichliche Last von 3.260 Tagen in Blau-Weiß.
Kein wort, aber ein geruch – der nach abschied riecht
Stimmen aus dem Kabinett von Präsident Martín Peláez sprechen von „internen Gesprächen“, doch offiziell schweigt der Verein. Fede Viñas, Torschütze des Abends, formulierte es vorsichtig: „Was auch immer Santi entscheidet, wird richtig sein.“ Die Formulierung klingt wie ein Freundschaftsdienst – und wie eine Vorbereitung auf das, was kommt.
Die Zahlen sind gnadenlos klar: Vertrag bis Juni, kein Automatismus für ein weiteres Jahr, 37 Liga-Einsätze in dieser Saison bei nur 1.987 gespielten Minuten. Das Sprunggelenk, seit 2011 sechs Operationen geprügelt, schickt nachts seine Rechnung.
Dennoch: Die Tribüne will ihn runter in die Segunda División mitnehmen. Der Abstieg ist besiegelt, die Revanche für 2025 steht an. „Wenn er noch einmal aufläuft, dann nur, um Oviedo zurück in die erste Liga zu führen“, murmelte ein Fan, während er sein Banner rollte. Das Plakat zeigt Cazorla mit offenem Mund, als würde er das Stadion anheulen.

Der zauberer, der die 24-jahre-fluch-bann brach, wird zur legende
Real Oviedo war 2019 handlungsunfähig, abstiegsbedroht, pleite. Dann kam der kleine Mann aus Llanera, schoss 14 Tore, lieferte 11 Assists – und katapultierte den Klub zurück ins Rampenlicht der Primera. Jetzt droht der Kreis zu schließen.
Die Vereinsmuseum-Kasse verzeichnet seit Montag 38 Prozent mehr Besucher. Kinder tragen nach wie vor die Nummer 10, doch ihre Eltern erklären bereits: „Der Mann mit dem lockeren ersten Kontakt und der Rakete im rechten Fuß wird bald nur noch ein Poster sein.“
Cazorla selbst schlenderte um 0:47 Uhr durch den Spielertunnel, zwei Tochterhände in seinen Händen. Kein Interview, kein Instagram-Post. Stattdessen ein leiser Satz an einen Mitarbeiter, aufgefangen von SER Asturias: „Ich wollte, ich könnte ewig weitermachen.“
Die Realität sieht anders aus. Der Klub muss 24 Millionen Euro an Gehaltsmasse reduzieren, die medizinische Abteilung empfiehlt „eine drastische Reduktion der Belastung“. Und die Kurve? Die wird nächste Saison wieder skandieren – nur eben vielleicht ohne ihren Mago.
Oviedo hat seinen Helden schon längst in die Galerie der Unsterblichen gehängt. Wenn Cazorla tatsächlich das Handtuch wirft, bleibt ein Bild: ein verschwitztes Trikot, ein Riss im Stoff, und daneben ein paar Tränen, die nicht einmal der nordspanische Regen wegwaschen kann.
