Capaldo-blackout: hsv bangt bis zum bvb um seinen turbo

Nicolas Capaldo fehlt, und mit ihm die Schaltzentrale des Hamburger SV. Gegen Köln fehlte der Argentinier, gegen Dortmund droht erneut Leere auf Position sechs – und Merlin Polzin weiß: Ohne seinen Energiespender wird die Maschine stocken.

Polzin gesteht: „capi ist unser pulsmesser“

Der Coach redet sich keine Ausrede zusammen, doch die Zahlen sprechen klar: Seit Capaldo Anfang März gegen Leipzig die Bauchmuskulatur verriss, holte der HSV nur zwei Punkte aus drei Spielen. „Capi zieht seine Laufwege so aggressiv in die Offensive, dass sich automatisch neue Räume auftun. Die Jungs, die ihn ersetzen, interpretieren die Rolle anders – netter gesagt: defensiver“, erklärt Polzin im kicker-Gespräch.

Die Folge: Gegner ziehen sich tiefer, der HSV dominiert optisch, aber ohne Capaldos Tempo-Wechsel bleibt der letzte Pass platt. Warmed Omari stabilisierte zuletzt hinten, doch nach vorne wirkt er wie ein Handwerker ohne Schlagbohrer – solide, aber ohne Durchbruchskraft.

Trainingsplatz statt signal-iduna-park

Trainingsplatz statt signal-iduna-park

Am Dienstag trabte Capaldo wieder einzeln rund um die Anlage. „Die letzten Tage verliefen nicht so positiv wie erhofft“, sagt Polzin und klingt dabei, als hätte er selbst die Schmerzen mitgefühlt. Die ursprüngliche Marschroute – Comeback gegen Köln – ist Geschichte. Jetzt richtet sich der Blick auf den 4. April, Heimspiel gegen Augsburg. Die Länderspielpause danach wirkt wie ein Geschenk des DFB, denn Capaldo soll ohne Restrisiko auflaufen.

Der Spieler selbst tobt sich im Leistungszentrum aus, will „über den Punkt gehen“, doch der Körper bremst. Eine erneute Fehlbelastung würde die Saison killen – und das weiß auch der 27-Jährige. Polzin stellt deshalb klar: „Wir drücken nicht auf die Tube, nur weil die Tabelle brennt.“

Neue rechnung: ohne capi droht der rückfall

Neue rechnung: ohne capi droht der rückfall

Die Bundesliga ist kein Selbstbedienungsladen für Sympathieträger. Ohne Capaldo fehlt nicht nur ein Läufer, sondern die mentale Zündschnur. Gegen Dortmund muss der HSV erneut beweisen, dass er auch ohne seinen Turbo bestehen kann – sonst rutscht er zurück ins graue Mittelfeld, aus dem Capaldo ihn im Herbst herausriss. Die Uhr tickt. Der Schmerz bleibt. Und Polzin wartet auf den Tag, an dem sein Pulsmesser wieder auf 180 schaltet.