Bvb-frauen beenden 29-jahre-pokalfluch mit rote-karte-drama

29 Jahre warteten sie, 60 Minuten kämpften sie – und eine einzige Rote Karte riss das Finale in Dortmund auf. Mit dem 30:25 gegen HSG Bensheim-Auerbach holt der BVB den ersten DHB-Pokal seit 1997 und lässt die Westfalen endgültig von der Handball-Durststrecke erwachen.

Die sekunde, die alles kippte

43:59 Minuten stand es 18:19, als Meike Schmelzer zur Linken ausrückte, Jule Polsz den Anschlusstreffer erzielte – und Sekunden später mit Rot vom Feld musste. Die HSG, bis dato auf Augenhöhe, wurde zur passive Zuschauerin. Alina Grijseels, Lisa Antl und Sarah Wachter, drei Silbermedaillen vom Januar in Budapest im Gepäck, schraubten die Führung auf 24:19. Die Lücke war endgültig.

Doch der Pokal war lange nicht absehbar. Die erste Halbzeit war ein Schlagabtausch auf niedrigem Niveau, 15:11 hieß es zur Pause – vor allem, weil Sarah Wachter parierte, was das Zeug hielt. Erst nach dem Seitenwechsel schaltete der Bundesliga-Tabellenführer einen Gang höher, nutzte die numerische Überlegenheit gnadenlos aus. „Wir haben gewartet, gewartet, gewartet – und heute hat es endlich geklappt“, sagte Grijseels im mixed zone-Gestammel, das Trikot noch triefend vom Jubel.

Blomberg landet platz drei – mit k.o.-phase

Blomberg landet platz drei – mit k.o.-phase

Vor dem Finale hatte sich HSG Blomberg-Lippe im kleinen Finale durchgebissen. Gegen Thüringer HC lag das Team nach sieben Minuten bereits 1:4 zurück, drehte aber dank Ona Vegues Siebenmeter und einem 10:5-Schlusssprint die Partie auf 29:27. Für Blomberg ist Rang drei eine kleine Sensation – und ein Ticket für die Europapokal-Quali.

Für den BVB ist der Pokal nicht nur ein Silberpokal, sondern der Beweis, dass die Investitionen in die Frauen-Abteilung Früchte tragen. Seit 2024 fließen zusätzliche Mittel in Nachwuchs und Auslands-Scouting, das sich in Grijseels und Antl bereits entlädt. Der Verein, der einst Handball spielerisch erfand, durfte endlich wieder einen großen Titel feiern – und die Fans sangen im Block: „Nie mehr ohne Pokal!“

Die Saison ist damit längst nicht vorbei. Mit der Tabellenführung und dem Pokal im Gepäck zieht der BVB als heißer Favorit in die Play-offs – und könnte das Triple perfekt machen. Die Handball-Hauptstadt Deutschland? Heute lautet die Antwort klar: Dortmund.