Bvb-fans attackieren hsv-busse: 152 platzverweise nach massenschlägerei

Der Signal Iduna Park war kaum ausgeleuchtet, da schlug in Dortmund die nächste Gewaltwelle ein. Rund 300 vermummte BVB-Anhänger haben am späten Samstagabend Fanbusse des Hamburger SV attackiert, Glasflaschen und Warnbaken auf die Fahrzeuge geschleudert und versucht, die Türen aufzubrechen. Die Eskalation war so abrupt, dass selbst routinierte Polizisten von einem „Kriegsszenario“ sprechen.

Die HSV-Karawane war auf dem Weg aus dem Stadion, als sie an der Kreuzung Steinstraße/Industriestraße auf die grölende Horde stieß. Die Busse hielten, die Türen blieben zunächst verschlossen, doch der Mob umzingelte sie. Sekunden später flogen Fahnenstangen gegen die Scheiben, ein Warnbaken krachte durch die Frontscheibe eines Reisebusses. Fahrer Jens R. (42) sagt: „Ich habe nur noch auf meine Leute geachtet, aber die Wut in den Augen dieser Leute war blanker Hass.“

Polizei zieht konsequenzen: 34 ermittlungsverfahren

Polizei zieht konsequenzen: 34 ermittlungsverfahren

Die eingesetzten 450 Beamten gingen mit Pferden, Hunden und einem Großaufgebot an Fahrrad- und Bereitschaftspolizisten dazwischen. 152 Personen erhielten sofortige Platzverweise, 16 BVB-Fans konnten festgenommen werden. Die HSV-Anhänger wurden in ihren Bussen bis zur Auffangstelle am Ostfriedhof eskortiert, dort wurden 136 Personalien aufgenommen. Insgesamt laufen nun 34 Strafverfahren wegen schwerer Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz – letztere, weil pyrotechnische Gegenstände gezündet wurden.

Die Bilanz: zwei leicht verletzte Polizisten, ein Busfahrer mit Platzwunden, ein HSV-Fan mit Schädelprellung. Die Dortmunder Innenstadt war bis 2.30 Uhr abgesperrt, die U-Bahnlinie U45 fuhr nur eingeschränkt. Die Kosten für die Einsatzkräfte allein dürften laut Polizeipräsidium im sechsstelligen Bereich liegen.

Bundesliga-Spieltag? Das ist längst Nebensache. Für die Fans war dies eine gewaltbereite Racheaktion, die sich schon vor Wochen in Fanforen anbahnte. Ob es sich um eine geplante Abrechnung handelt, ist noch unklar. Klar ist: Das Image des deutschen Fußballs bekommt wieder einmal tiefe Schrammen. Und der BVB? Muss sich fragen lassen, wie 300 Vermummte unerkannt bis in die Oststadt gelangen konnten.