Bvb vs. blomberg-lippe: pokal-kracher mit vorentscheidung im titelrennen

Samstagabend, 19 Uhr, Porsche-Arena Stuttgart: Der BVB und die HSG Blomberg-Lippe liefern sich im DHB-Pokal-Halbfinale das Duell, das schon jetzt die Meisterschafts-Formel neu schreiben kann. Tabellenführer gegen Zweiten – nur eine Halbzeit trennt eine Finalkarte vom Saison-Fiasko.

Maxi mühlner lässt den pokal sprechen

„Ich bin nicht nervös“, sagt Maxi Mühlner, Kreisläuferin der HSG, und klingt dabei wie jemand, der genau weiß, dass Nervosität in dieser Arena nur Stolperstein ist. Ihre Mannschaft verlor das letzte Pflichtspiel gegen Dortmund – 24:27 im Januar. Seitdem hat der BVB die Champions-League-Playoffs erreicht, Blomberg-Lippe die European-League-Gruppenphase verpasst. Dennoch: „Alle haben Bock, vor dieser Kulisse zu spielen“, sagt Mühlner. Der Blick geht nach vorne, nicht zurück.

Die Kulisse ist ein Faktor für sich. 7.000 Fans aus vier Lagern verwandeln die Arena in einen Kessel, der die Schiedsrichterpfeife schluckt. Für Dana Bleckmann, Rückraum-Shooterin des BVB, ist das kein Neuland. „Letztes Jahr Vierte, diesmal wollen wir den Pott“, sagt sie. Nach 15 Siegen in 16 Liga-Spielen ist das kein Wunschdenken, sondern Schuldzuweisung an die Realität.

Der januar steckt noch in den knochen

Der januar steckt noch in den knochen

Die 27:24-Niederlage war mehr als ein Ausrutscher für Blomberg-Lippe. Sie war Weckruf. In den Wochen danach sprach das Team sich schlicht: mehr Laufarbeit, weniger Ballverlust, klare Rollen. Trainerin Marijke Kayser setzte auf offene Worte statt Extra-Training. Die Folge: drei Siege in Serie, kein Gegentor aus dem Kreis in zwei Spielen. Mühlners Fazit: „So enger werden die Köpfe.“

Für den BVB wiederum ist das Pokal-Endturnier die Chance, die kleine Makel der Saison zu bügeln. Nur ein Liga-Patzers, dafür das Aus im Pokal 2025. „Wir müssen von Anfang an alles reingeben“, sagt Bleckmann. Gemeint ist: kein Tor verschenken, keine Zweikampf-Phasen schlafen. Denn Blomberg-Lippe tritt mit dem Selbstverständnis von Außenseitern an, die nichts mehr zu verlieren haben – und das ist die gefährlichste aller Rollen.

Mütter, töchter und die macht der familie

Mütter, töchter und die macht der familie

Kerstin Mühlner, 154 Länderspiele, wird auf der Tribüne sitzen. Ihre Tochter Maxi spielt sich seit Monaten in Scouts-Listen der Nationalmannschaft. „Wenn ich den Pokal hebe, wäre das auch ein Stück weit für sie“, sagt die 23-Jährige. Dana Bleckmanns Schwester verpasst das Spektakel – eiges Spiel in der 2. Liga. Handball als Familienunternehmen, nur eben an einem Wochenende, das die Branche in Atem hält.

Am Ende steht eine Wahrheit, die sich schon vor dem Anwurf manifestiert: Wer hier gewinnt, der trägt nicht nur die Pokal-Chance in sich, sondern auch den Schwung für die restliche Meisterschaft. Die Liga ist eng, der Kopf entscheidet. Und der hängt, wie so oft, an einem einzigen Abend in Stuttgart.