Bvb verlängert mit kreuzband-opfer can – die ruhe vor dem sturm
Emre Can wird trotz Kreuzbandriss und 32 Jahren seinen beim BVB auslaufenden Kontrakt um ein weiteres Jahr verlängern. Die sportliche Führung unter Lars Ricken besiegelte die Einigung am Freitag, wie Sky und Sport1 übereinstimmend berichten.

Warum der klub auf einen verletzten setzt
Der Kapitän zog sich vor Wochen das vordere Kreuzband im linken Knie. Saison aus, EM-Traum geplatzt. Für viele Klubs wäre das ein Abstellgleis. Dortmund dagegen winkt ab. Ricken hatte bereits durchblicken lassen, dass man Can „nicht im Stich lässt“. Nun die Tat.
Die Entscheidung ist mehr als ein Patzer der Buchhaltung. Sie ist ein Signal an die Kabine: Loyalität gilt auch, wenn der Körper streikt. Can spielt seit 2020 für die Schwarz-Gelben, absolviert in vier Jahren 159 Pflichtspiele, verwandelte sich vom defensiven Raufbold zum spielfreudigen Sechser. Ohne ihn bröckelt die Kommunikation zwischen Abwehr und Mittelfeld sichtbar.
Doch es gibt einen Haken. Die medizinische Prognose lautet: Comeback frühestens im November. Bis dahin muss Trainer Nuri Şahin eine neue Führungsfigur finden. Die Alternative: Can als Co-Trainer auf der Bank – eine Rolle, die der 32-Jährige schon während seiner Reha übernahm.
Der Einjahresvertrag läuft bis 2027, beinhaltet aber Leistungsklauseln. Läuft Can bis dahin nicht mindestens 15 Bundesligaspiele, sinkt sein Gehalt deutlich. Der BVB sichert sich ab, Can sichert sich eine Perspektive. Für beide Seiten ein Poker mit offenen Karten.
Die Fans reagieren gespalten. Die einen feiern die Geste, weil sie Identifikation schafft. Die anderen sehen einen Verletzten, der kostet, ohne zu laufen. Die Wahrheit liegt in der Zukunft. Wenn Can zurückkommt und die Sechser-Position wieder stabilisiert, lautet das Urteil: Pflichtverlängerung mit Herz. Fallen die physischen Tests schlechter aus, wird die Aktion als sentimentale Fehlentscheidung in die Annalen eingehen.
Fakt ist: Dortmund riskiert 12 Monate Gehalt, um eine Identifikationsfigur nicht zu verlieren. In einer Zeit, in der Vereine wegen Muskelbündel-Rissen Leistungsdaten wälzen, wirft der BVB ein Schleifchen an Menschlichkeit in den Transferkessel. Ob das reicht, um in der nächsten Saison oben mitzuspielen, wird sich zeigen. Der Countdown läuft – für Can, für den BVB, für eine ganze Liga, die auf Rekordtransfer-Einnahmen schielt.
