Brown zurück: nagelsmann erhält lebensader für das achtelfinale

Winston-Salem – Der Nackenschlag von Ecuador wird zur Fußnote. Nach 48 Stunden Talfahrt meldet sich Nathaniel Brown mit dieser einen Bewegung zurück: Sprint auf dem Trainingsrasen, gestrecktes Bein, Ball halblinks in den Lauf – keine Grimasse. Für Julian Nagelsmann ist das die entscheidende Szene vor dem Sechzehntelfinale gegen Paraguay. Der Shootingstar wird montagabend (22.30 Uhr, live auf sportschau.de) starten und David Raum auf die Bank drängen. Die Leitung winkt ab.

Raum verliert den platz – brown gewinnt sympathien

Die Zahlen sprechen laut: Raum lief gegen Ecuador 6,2 Kilometer weniger als der Schnitt, gewann nur 38 % seiner Zweikämpfe und lag bei den Ballverlusten vorn. Brown dagegen hatte vor seiner Oberschenkelblockade 91 % Passgenauigkeit und drei Ballgewinne im gegnerischen Drittel. Der 23-Jährige ist Nagelsmanns Antwort auf die Frage, wie man eine Außenbahn stabilisiert, ohne Angriffskraft zu verschenken.

Die medizinische Abteilung hatte den Frankfurter zuletzt zweimal täglich auf dem Laufband getestet, Muskelfasern gescannt, Sprintprofile analysiert. Ergebnis: keine Mikro-Verletzungen mehr. „Ich habe keine Schmerzen gespürt“, sagt Brown selbst und lacht verschmitzt: „Lieber, dass uns das jetzt passiert als im nächsten Spiel.“

Paraguay wartet mit zwei fragezeichen im mittelfeld

Paraguay wartet mit zwei fragezeichen im mittelfeld

Die Südamerikaner reisen mit Personalproblemen nach Boston. Kreativspieler Miguel Almirón laboriert an einer Sprunggelenksprellung, Linksverteidiger Santiago Arzamendia fehlte bereits im letzten Gruppenspiel. Trainer Gustavo Alfaro muss neu ordnen – und hat bislang keine Antwort auf deutsche Flügelgeschwindigkeit gefunden.

Das DFB-Quartier in Winston-Salem pulsiert. 26 Spieler plus Ersatztorhüter Jonas Urbig absolvierten die letzte Einheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nagelsmann testete zwei Varianten: ein 4-2-3-1 mit Musiala hinter dem Sturm und ein 4-3-3 mit Wirtz halblinks, Havertz deutschem Falschen Neun. Die Entscheidung fällt kurz vor Abflug nach Boston um 15.30 Uhr Ortszeit.

Boston wird schwarz-rot-gold – und fragt nach dem ersten ceremonial pitch

Boston wird schwarz-rot-gold – und fragt nach dem ersten ceremonial pitch

Während die Mannschaft vorbereitet, übernehmen die Fans die Stadt. 4.000 Tickets für die „German Celebration“ im Fenway Park gingen innerhalb von zwei Stunden weg. Oktoberfest-Band, vergünstigte Yankees-Tickets und ein limitiertes Shirt mit Adler-Print versprechen Bilder, die die MLB-Saison überdauern. DFB-Präsident Bernd Neuendorf wird den ersten Ball werfen – ein Symbol: Deutschland wirft sich in den Sommer der Offensive.

Am Montagabend steht ein Wort über allem: Durchschlagskraft. Die Elf von Nagelsmann hat sie zuletzt gegen Ecuador vermissen lassen. Mit Brown als zusätzlicher Waffe könnte der Knoten platzen. Die Rechnung ist simpel: gewinnen oder fliegen. Und wer fliegt schon gern aus Boston?