Bronze statt finale-traum: lemgo schlägt magdeburg – suton lacht und hadert zugleich
35:31 gegen den SC Magdeburg, Pokal-Nr. 3 für den TBV Lemgo Lippe – und trotzdem nagt Tim Suton ein bisschen. „Wir hätten auch ins Finale können“, sagte der Kapitän, während die 19.800 in der Lanxess Arena noch „We are the Champions“ schmetterten. Das ist der bittersüße Nachgeschmack eines Tages, der eigentlich nur feiern wollte.
Die abwehr war ein betonblock, möstl der architekt
Constantin Möstl hielt 14 Bälle, wurde zum Spieler des Spiels gewählt – und das, obwohl er erst in der 22. Minute eingewechselt wurde. „Wir haben Magdeburg nie ins Laufen kommen lassen“, erklärte Trainer Markus Baur, der seine Sieben auf 5-1-Deckung umstellte und damit die Mitte dichtmachte. Die Folge: Nur 31 Gegentore gegen eine der besten Offensiven Europas. „Für unsere Verhältnisse ein Wunder“, sagte Suton und klatschte seinem Torwart ab.
Lemgo spielte das Spiel, das Magdeburg normalerweise spielt: schnelle Tempogegenstöße, kühle Abschlüsse. Bastian Roscheck und Björn Zintel liefen sich die Seele aus dem Leib, kombinierten über drei Stationen, als hätten sie Bluetooth. Führung 16:15 zur Pause – und dann der Knockout: 6:2-Lauf innerhalb von acht Minuten. Die Magdeburger schauten plötzlich wie ein Tennisprofi, der vergessen hat, wie man Return spielt.

Sutons zwiespalt: jubel und „was wäre wenn“
Der 29-Jährige warf acht Tore, leitete sieben vor – und stand trotzdem mit hängender Schulter vor dem Mikrofon. „Gestern war der Frust riesig, heute der Stolz. Beides kann man gleichzeitig fühlen, ist wie Zitrone und Salz auf derselben Zunge“, sagte er. Die Erinnerung an das 25:26 gegen Berlin sitzt tief. Ein Pfosten, zwei Aluminiumtreffer, ein abgefangener Pass in letzter Sekunde. „Ein Tor, und wir wären heute hier um Gold spaziert.“
Doch Lemgo nahm, was blieb: 15.000 Euro Preisgeld, Pokal Nr. 3 in der Vereinsgeschichte – und ein Foto mit dem Maskottchen „Paule“, das innerhalb von zehn Minuten 40.000 Likes auf Instagram sammelte. „Bronze ist besser als leere Hände, aber Silber wäre schöner gewesen“, grinste Suton und verschwand mit der Medaille im Anzugkragen Richtung Kabine.

Die saison ist längst nicht vorbei
Mit dem Pokal im Gepäck geht’s zurück in die Liga. Am Samstag wartet schon der HC Erlangen – und Trainer Baur mahnt: „Wenn wir so weitermachen, können wir oben mitmischen.“ Die Tabelle lügt nicht: Lemgo hat drei Punkte Rückstand auf Platz 4, die Champions-League-Plätze sind zum Greifen nah. „Der Pokal ist das Ventil, jetzt kommt der Alltag. Und der ist gnadenlos“, sagt Suton und zieht die Kappe tiefer.
Die Fans jedenfalls träumen schon vom Double. Denn wer Bronze holt, ohne ins Finale zu kommen, der darf auch vom großen Wurf träumen. Oder? Nein, sagt Suton und schüttelt den Kopf. „Träumen ist gestern. Heute heißt es: Beine eincremen, Waden eisern, weiter.“
