Köln brennt: bergischer hc jagt nächsten riesen – gidsel will endlich pokal-gold

20.000 Stimmen gellten schon vor dem Anwurf durch die Lanxess-Arena. Dann pfeift Christian Merz zum Sprungball – und ein Aufsteiger aus dem Bergischen träumt vom zweiten Sensationssieg innerhalb von 24 Stunden. Der Bergische HC hat den Champions-League-Sieger gepackt, nun liegt Füchse Berlin zwischen ihm und der Pokal-Krone. Für Mathias Gidsel ist es die fünfte Final-Pleite in Folge, sollte er heute erneut leer ausgehen.

Die zahlen, die das finale definieren

Die Bilanz ist gnadenlos: 0:3 lautet Gidsels Pokal-Bilanz gegen deutsche Teams, 0:4 seine persönliche Finals-Statistik seit 2021. Auf der Gegenseite steht ein Klub, der erst vor drei Wochen den Klassenerhalt in der Bundesliga sichern musste und dennoch als einziger verbliebener Außenseiter die Königsklasse bereits ausgeschaltet hat. Die Quoten sprechen 3,2:1 gegen den BHC – doch die waren gestern Abend noch bei 4,8:1.

Die Partie ist nicht nur ein sportliches Schaulaufen, sondern ein Machtwechsel im deutschen Handball. Seit 2009 gewannen nur THW Kiel, Rhein-Neckar Löwen oder die Füchse den Pokal. Ein Sieg des Aufsteigers würde die Liga erschüttern – und die Debatte um Play-off-Modus und Wildcards neu entfachen.

Wie velimir petković seinen haufen umprogrammierte

Wie velimir petković seinen haufen umprogrammierte

Der BHC-Coach schickte gestern Abend eine 5-1-Deckung aufs Feld, die Magdeburgs Rückraum erst in der 45. Minute entzifferte. Heute wird er dieselbe Formation laufen lassen, nur mit einem Unterschied: Lukas Blohme rutscht von links nach rechts, um Gidsels Wurfhand zu verdecken. „Wir werden ihn nicht stoppen, wir wollen ihn nur so lange verzögern, bis die Uhr unser Freund ist“, sagte Petković nach dem Halbfinale. Seine Spieler tranken dafür bis 2:13 Uhr Wasser – kein Alkohol, keine Cola, nur Elektrolyte.

Auf der anderen Seite steht Jaron Siewert, der jüngste Final-Trainer der Geschichte. Der 34-Jährige zeigte seinen Profis in der Video-Session 19 Ballverluste des BHC gegen Magdeburg – und ließ sie anschließend 40 Minuten Kreuzstafetten laufen. Die Botschaft: Nutzt die Lücken, bevor sie sich schließen.

Die 53 sekunden, die köln beben machen könnten

Es sind genau 53 Sekunden, die über Gold oder Silber entscheiden können – so lange braucht Gidsel im Schnitt für einen siebenmeterentfernten Sprungwurf, wenn er das Tempo vorgibt. In dieser Zeit hat der BHC-Block bereits 17 Mal in dieser Saison den Angriff abgefangen und direkt konterte. Fällt so ein Ball in der Schlussphase, wird die Arena kochen. Die ARD rechnet mit 5,3 Millionen Zuschauern, Dyn meldet bereits 180.000 gleichzeitige Streams im Vorprogramm.

Um 18:00 Uhr ist Anpfiff. Dann zählt nur noch, wer die Nerven länger zusammenkneift. Der Pokal steht bereit, die Namensschilder sind noch blank. In zwölf Stunden könnte darauf Bergischer HC stehen – oder eben doch wieder Füchse Berlin. Eines ist klar: Der Sieger wird dieses Mal nicht nur Pokalsieger, sondern Teil einer Geschichte, die das deutsche Handball-Jahrzehnt neu schreibt.